Oberland, Jugendblätter für Volks- und Heimatkunde 1925 – Teil 5

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von Brigitte Richter

 

Liebe Leser von Hallooberland, bevor der Frühling kommt und ich draußen mehr zu tun habe, als drinnen, und bevor ich die geliehenen Bücher dem Besitzer zurück gebe, schreibe ich noch 2 kleine Texte für euch ab.

 

Die Resonanz darauf und das Lob animieren mich dazu.

 

Schade, dass Papier vergilbt und sehr brüchig wird, im Laufe der Jahre, denn nicht alles konnte ich noch lesen. Aber ich habe Haushalt und sogar den Fernseher „schleifen gelassen“, um so viel wie möglich aus diesen alten Büchern in mich aufzusaugen.

 

Dem Besitzer der Bücher danke ich von ganzem Herzen, weil er mit dieser Idee, mir die Bücher zu leihen, genau meine Interessen erkannt hat. Vielleicht gibt es diese Heimatjahrbücher auch in anderen Haushalten; und vielleicht gibt es Rentner, die sich an den Computer setzen und Texte abtippen und an Hallooberland.de schicken.  

 

Heute und hier lesen Sie eine alte Sage aus Schlegel/Seibis:

 

Die Zwerglöcher im Hoffmannsfelsen

 

Zwischen den Frankenwalddörfern Schlegel und Seibis liegt ein Felsen, der nach einem seiner früheren Besitzer der Hoffmannsfelsen genannt ist.

 

Uralt ist der Fels; mächtige Fichten haben ihre Wurzeln tief in die Steine geschlagen, weiches Moos  bekleidet ihn und Brombeerranken klettern über ihn hinweg.

 

„Da hausen die Zwerge tief im Stein
 und irgendwo führt ein Tor hinein!“ 

 

Von diesen Zwergen erzählt die Sage:

 

Ein Bauer in Schlegel hatte eine Dienstmagd. Diese fand einmal beim Auskehren in ihrer Schaufel einen feinen Brief, der sie aufforderte morgen bei einem Zwergkinde Pate zu stehen; es soll ihr Schade nicht sein. Sie wollte es nicht gern tun, aber ihre Herrschaft sagte, sie dürfe es nicht abschlagen, denn sonst würde es ihr nicht gut gehen.

 

So ging sie also in der Nacht, wie sie bestellt war, an den Hoffmannsfelsen. Schlag 12 tat er sich auf und sie ging hinein. Drinnen war alles prächtig und glänzte von Gold, und alle waren freundlich gegen sie. Als die Zwerge dem Kind einen Namen gegeben hatten, legten sie es in eine goldene Wiege, und die Spielleute mussten so lange blasen, bis es wieder eingeschlafen war. Dann wurde gegessen und getrunken und auf einer großen Wiese bis zum nächsten Morgen gesungen und getanzt. Da wollte das Mädchen wieder nach Hause. Die Zwerge aber baten es so lange, noch drei Tage dazubleiben, bis es einwilligte. Alle drei Tage war Lust und Freude. Als das Mädchen endlich heim ging, beschenkten die Zwerge es reichlich und sagten, die goldene Wiege solle ihr für ewige Zeit aufbewahrt bleiben.

 

Sie öffneten den Berg und ließen sie hinaus und die Magd ging nach Hause.

 

Aber wie sie dort ankam, war das Haus und alles ganz anders geworden. Auch als die Menschen kamen, kannte sie keiner, und alle staunten sie an. Nur ein alter Schäfer lebte noch im Dorfe, der selber nicht wusste, wie alt er war, und dieser sagte, sein Großvater habe ihm erzählt, als dessen Vater klein war , sei ein Mädchen zu den Zwergen gegangen und nicht wieder gekommen; es müsste etwa 500 Jahre her sein.“

 

In dem Augenblick war das Mädchen ein steinaltes Mütterchen geworden, fiel um und war tot…

 

Die Zwerglein sind längst verschwunden und das kam so:

 

Der Schultesbauer in Seibis hatte ihnen erlaubt ihr Brot in seinem Backofen zu backen. Zum Danke dafür bucken ihm die Männlein sein eigenes Brot des Nachts gleich mit. Das Brot aber war schneeweiß und schmeckte so köstlich wie der feinste Kuchen. Als aber einmal ein Knecht sich den bösen Scherz machte und des Abends statt Brotmehl Sägespäne und Steine in die Schüsseln und Körbe füllte und den Männchen hin stellte, da haben sie am anderen Tag, als der Schultesbauer sein Brot buk, ihm dasselbe aus dem Backofen gezogen und sind damit auf und davon gegangen.

 

Sie haben sich zurückgezogen in ihren Berg. Dort hüten sie ihre goldenen Schätze, und kein Mensch hat sie wieder zu sehen bekommen.

 

Der Zwergenfels steht heute noch, und auch jene goldene Wiege haben die kleinen Geister mit Gold angefüllt zurück gelassen.

 

Schon viele haben nach ihr gesucht und gegraben, aber keiner hat sie gefunden.

                                                                                                                                

                                                                                                                                                                          Böhme.   

 

Dann wollen wir mal hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, unter dem Felsen die goldene Wiege zu suchen. Es könnte sein, den Zwergen gefällt das nicht und sie  zahlen den Menschen ihre Raffgier und Habsucht heim.                                                                                                                          

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