12 Millionen Euro für eine Brücke mit Zufahrtssperre? UBV lehnt Radverkehrs-Modellprojekt an der Linkenmühle ab

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Wolfgang Kleindienst, Kreistagsmitglied Unabhängige Bürgervertretung Saale-Orla – UBV

 

Wir wollten eine echte regionale Verkehrsverbindung, beschlossen wurde jedoch am 12. Mai 2026
durch den Kreistag Saalfeld-Rudolstadt ein gefördertes Modellprojekt für den Radverkehr mit
kontrollierter Zufahrtsbeschränkung.
Nach Auswertung der inzwischen vorliegenden Unterlagen zur Linkenmühlenbrücke müssen wir
feststellen, dass die tatsächliche Zielsetzung des Projektes erheblich von dem abweicht, was
vielen Bürgern sowie Teilen der kommunalen Gremien über lange Zeit vermittelt wurde.


Die offizielle Projektbeschreibung des Bundesamtes für Logistik und Mobilität (BALM)
bezeichnet das Vorhaben ausdrücklich als „Radweg- und Fußgängerbrücke“, die lediglich eine
„begrenzte Nutzung durch Kraftfahrzeuge“ ermöglicht. Gleichzeitig wird dort klar formuliert, dass
„grundsätzlich kein zusätzlicher motorisierter Individualverkehr erzeugt werden soll“.
Zugelassen werden sollen ausschließlich Rettungsdienste, ÖPNV und registrierter Anliegerverkehr.


Die Nutzung soll dabei über eine sogenannte „intelligente Zugangssteuerung“ geregelt werden.
Hinter diesem Begriff verbirgt sich keine frei nutzbare Straßenverbindung, sondern eine technisch
kontrollierte Zufahrtsregelung. Praktisch bedeutet das beispielsweise Schranken, Poller,
Kennzeichenerkennung oder digitale Zufahrtsfreigaben, damit nur zuvor zugelassene Fahrzeuge
die Brücke nutzen dürfen.
Damit ist eindeutig dokumentiert, es handelt sich nicht um eine klassische Straßenbrücke und
auch nicht um eine frei nutzbare regionale Verkehrsverbindung, sondern um ein gefördertes
Modellprojekt des Bundes zur Verbesserung des Radverkehrs.


Besonders problematisch ist aus unserer Sicht, dass öffentlich vielfach ein anderer Eindruck
entstanden ist. Über lange Zeit wurde suggeriert, die Brücke könne umfassend für Tourismus,
Gewerbe, Handwerk und allgemeinen Verkehr genutzt werden. Die nun vorliegenden
Projektunterlagen zeichnen jedoch ein deutlich anderes Bild.
Hinzu kommt, dass die Fördermittel ausdrücklich an den Zweck einer Radverkehrsbrücke gebunden
sind. Der Landrat des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt hat inzwischen selbst schriftlich erklärt, dass
eine klassische Straßenbrücke dem Förderzweck nicht entsprechen und deshalb nicht förderfähig
gewesen wäre.
Für uns stellt sich daher die grundsätzliche Frage, warum den Bürgern und Kreistagsmitgliedern
nicht frühzeitig und transparent offengelegt wurde, dass hier kein reguläres Infrastrukturprojekt,
sondern ein innovatives Radverkehrs-Modellvorhaben mit kontrollierter Zufahrtsbeschränkung
beantragt und umgesetzt werden soll.


Wir stehen weiterhin klar für den Bau einer Brücke an der Linkenmühle.
Wir wollten jedoch eine wirtschaftlich sinnvolle und dauerhaft nutzbare regionale
Verkehrsverbindung, also eine Brücke, die auch für den normalen PKW-Verkehr geeignet ist und
lediglich Schwerlastverkehr ausschließt.
Die Unabhängige Bürgervertretung Saale-Orla (UBV) wird dieser Variante im Kreistag des Saale-
Orla-Kreises daher nicht zustimmen.
Wir halten uns an die ursprünglichen Ankündigungen eines Brückenbaus, der eine tatsächliche
Nutzung für PKW-Verkehr, Handwerk, Dienstleistungsbetriebe, regionale Wirtschaft sowie Bürger
und Tourismus zulässt.
Eine Brücke mit kontrollierter Zufahrtsbeschränkung und weitgehend ausgeschlossener allgemeiner
PKW-Nutzung für über 12 Millionen Euro halten wir dagegen nicht für eine sinnvolle regionale
Infrastrukturmaßnahme.
Aus unserer Sicht droht hier eine Fehlverwendung von Steuergeldern. Diese Kritik wird
inzwischen auch vom Bund der Steuerzahler aufgegriffen.
Gerade deshalb erwarten wir vollständige Transparenz und eine ehrliche Diskussion über Nutzen,
Kosten und tatsächliche Nutzungsmöglichkeiten dieser Brücke.

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