Grenze, Himmel, Freiheit – Ein Schülerprojekt verbindet Thüringen und Bayern

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Text und Bilder: wunderMEDIA

Ein Schulprojekt am Gymnasium Bad Lobenstein ist zu einem eindrucksvollen Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart geworden. Die Schülerinnen Hannah Hornfeck, Helena Dietmar und Jolina Heinrich haben sich mit der spektakulären – und mehrfach verfilmten- Ballonflucht zweier Familien aus Pößneck in der damaligen DDR beschäftigt und daraus weit mehr gemacht als eine klassische Recherchearbeit.

Ihr Ziel: Geschichte nicht nur erzählen, sondern erlebbar machen – für Menschen auf beiden Seiten der ehemaligen Grenze. Der Ausgangspunkt: DIE BALLONWIESE.

Schauplatz am Vatertag/Männertag war die mittlerweile sehr bekannte „Ballonwiese“ nahe der kleinen Ortschaft Oberlemnitz im Saale-Orla-Kreis. Dort wurde als Ergebnis und zugleich Schlusspunkt der Projektarbeit eine modern gestaltete Schautafel mit Hintergrundinformationen zur Ballonflucht enthüllt.

Die Tafel ist ab sofort eine angemessene Info-Möglichkeit über die Bedeutung dieses historischen Ortes. Möglich wurde dies auch durch die Unterstützung der Firmen STW und Metallbau Gräßner sowie durch das große Engagement der Familien der drei Schülerinnen.

Bildinfo: v.l. Jolina Heinrich, Hannah Hornfeck, Helena Dietmar

Mit eindrucksvoll vorgetragenen Worten wurde die Tafel enthüllt.

Im Anschluss wurde die Flugbeziehungsweise Fahrtroute des Ballons aus dem Jahr 1979 im wahren Sinne des Wortes „begangen“. Bei einer besonderen Wanderung führte die Strecke etwa 30 Interessierte Frauen und Männer vom Original-Startplatz über etwas mehr als 32 Kilometer bis zum Landeplatz des Ballons „Am Finkenflug“ (nahe Naila im Landkreis Hof) und schließlich weiter in das neue FORUM Naila. Dort ist der originale Ballon ausgestellt und die Geschichte eindrucksvoll aufbereitet.

Die Strecke, die in der Luft in etwa 28 Minuten überwunden wurde, verlangt zu Fuß Kraft, Ausdauer und Zeit – und eröffnet genau dadurch neue, tiefere Perspektiven.

Die Gruppe mit Günter Wetzel (6. v.l.) am original Landeplatz

Begegnung mit der Geschichte: Zeitzeuge vor Ort

Am Landeplatz wurde die Gruppe von Zeitzeuge Günther Wetzel empfangen, der selbst Teil dieser außergewöhnlichen Fluchtgeschichte ist. Für ihn ist es bis heute etwas Besonderes, Menschen an den Originalschauplätzen zu begegnen: „Es freut mich, dass sich die Menschen immer noch für unsere Geschichte interessieren“, sagt er. Seit vielen Jahren berichtet er in Schulen, Vereinen und bei Veranstaltungen über die damaligen Ereignisse. Neue Fragen gebe es kaum noch – dafür aber immer wieder neue Begegnungen, Emotionen und Blickwinkel.

Dass diese Geschichte nichts an Relevanz verloren hat, zeigt sich auch in den Gesprächen entlang der Stecke. Für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde die Dimension der damaligen Flucht erst durch das eigene Erleben greifbar. „Auf der Karte wirkt das alles so nah“, schildert eine Teilnehmerin. „Aber wenn man die Strecke wirklich läuft, merkt man erst, was das bedeutet.“

Organisiert wurde die Wanderung von Ideengeber und Vorsitzendem des Museumsvereins Naila, Marco Hader. Auch er zeigt sich begeistert vom Verlauf des Tages: „Eine tolle Gruppe, große Motivation und ein echtes Gemeinschaftserlebnis. Besonders der direkte Austausch mit dem Zeitzeugen hat den Tag für viele zu etwas Einzigartigem gemacht.“

Vom Erlebnis zur Emotion: Geschichte in Virtual Reality

Im FORUM Naila wird die Ballonflucht mithilfe von Virtual Reality erlebbar gemacht. Besucher können die dramatischen Momente des Starts, das Aufsteigen des Ballons und das lautlose Schweben über die Grenze hautnah nachempfinden.

„Faszinierend und spannend“, beschreibt eine Teilnehmerin ihre Erfahrung. „Man hat wirklich das Gefühl, selbst im Korb zu stehen.“ Eine andere ergänzt: „Es wackelt, man schaut sich um – es fühlt sich echt an.“

Für viele wird dadurch greifbar, was zuvor nur Erzählung war.

Gerade dieser Perspektivwechsel ist es, der das Projekt so besonders macht. Die Kombination aus historischer Recherche, persönlichem Austausch, körperlichem Erleben und moderner Technik schafft einen Zugang, der weit über klassische Wissensvermittlung hinausgeht. Geschichte wird nicht nur verstanden – sie wird gespürt.

Von der Grenze zur Verbindung

Und sie verbindet. Fast 37 Jahre nach dem Fall der innerdeutschen Grenze zeigt das Projekt eindrucksvoll, wie nah sich Thüringen und Bayern heute sind. Wo einst Trennung herrschte, entstehen Begegnungen. Wo Grenzen verliefen, werden heute gemeinsame Wege gegangen.

Auch für Zeitzeuge Günther Wetzel, mittlerweile Ehrenmitglied im Museumsverein Naila, schließt sich dabei ein Kreis. Seine persönliche Verbindung zur Region des Landeplatzes ist nie abgerissen. „Meine Heimat ist Oberfranken“, sagt der aktuell bei Chemnitz lebende Mann mit Überzeugung. Ein Umzug zurück in die Region rund um Hof ist bereits in Planung. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, ihm künftig häufiger vor Ort zu begegnen – sei es an den Originalschauplätzen oder im FORUM Naila.

Die Botschaft: Auf den Weg machen

Zurück in den Saale-Orla-Kreis: Die Botschaft der drei Schülerinnen ist ebenso einfach wie kraftvoll – Erinnerung lebt vom Mitmachen. Wer verstehen will, sollte sich auf den Weg machen. Im Kopf aber auch ganz real. Beginnend an der neuen Schautafel.

So wird aus einem Schulprojekt ein Impuls für eine ganze Region – und darüber hinaus. Für Menschen „von hüben und drüben“, die heute längst zusammengehören, deren gemeinsame Geschichte aber weiterhin erzählt werden muss.

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