HNO-Versorgung in Pößneck – Antwort der KV bestätigt die Sorgen der UBV

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Versorgungsgrad könnte auf 75,61 Prozent sinken – weiterer HNO-Arzt könnte ausscheiden – Betroffene Bürger sollen tatsächliche Versorgungsprobleme der KV mitteilen

 

Die Antwort der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) auf eine Anfrage von UBV-
Kreistagsmitglied und Pößnecker Stadtrat Wolfgang Kleindienst zur zukünftigen HNO-ärztlichen
Versorgung in Pößneck bestätigt aus Sicht der UBV die bestehenden Sorgen um die medizinische
Versorgung im Saale-Orla-Kreis.
Nach dem Tod des langjährig in Pößneck tätigen HNO-Arztes Dr. med. Ralph Callmeier ist die
Zukunft des bisherigen Arztsitzes weiterhin ungeklärt. Nach Angaben der KVT hängt die Einleitung
eines Nachbesetzungsverfahrens zunächst davon ab, ob die Erben die Fortführung des
Versorgungsauftrages wünschen. Einen Interessenten für die Übernahme der Praxis gibt es nach
Auskunft der KVT bislang nicht.
Besonders alarmierend sind für die UBV die von der KVT genannten Zahlen.
Der HNO-Versorgungsgrad im Saale-Orla-Kreis wird gegenwärtig mit 113,41 Prozent angegeben.
Dabei wird die ehemalige Praxis von Dr. Callmeier noch berücksichtigt. Sollte keine
Nachbesetzung erfolgen, würde der Versorgungsgrad nach Berechnung der KVT auf nur noch 75,61
Prozent absinken.
Noch schwerer wiegt aus Sicht der UBV eine weitere Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung.
Neben der ehemaligen Praxis in Pößneck werden derzeit nur noch die HNO-Ärzte in Triptis und
Schleiz in der Versorgungsgradfeststellung berücksichtigt. Gleichzeitig erklärt die KVT selbst, dass
die Altersstruktur der HNO-Ärzte im Saale-Orla-Kreis vermuten lasse, dass in absehbarer Zeit ein
weiterer HNO-Arzt seine Tätigkeit beenden wird.
„Damit reden wir längst nicht mehr nur über die Nachfolge einer einzelnen Arztpraxis. Wenn jetzt
in Pößneck keine Nachbesetzung gelingt und in absehbarer Zeit ein weiterer HNO-Arzt seine
Tätigkeit beendet, stehen wir vor einem erheblichen Versorgungsproblem im gesamten Landkreis“,
erklärt Wolfgang Kleindienst.
UBV widerspricht Schlussfolgerung der KVT
Mit Unverständnis reagiert die UBV auf eine weitere Passage der Antwort. Die KVT teilt mit, dass
die Schließung der Pößnecker Praxis an ihrem Servicetelefon nicht zu einer erhöhten Nachfrage
geführt habe und keine ausdrücklichen Patientenanfragen aus dem Bereich vorlägen. Daraus zieht
sie die Schlussfolgerung: „Die Verteilung der Patienten muss somit unkompliziert erfolgt sein.“
„Diese Schlussfolgerung können wir nicht nachvollziehen“, erklärt Kleindienst. „Woher sollen die
Bürgerinnen und Bürger wissen, dass sie sich bei Problemen mit der Suche nach einem neuen
HNO-Arzt bei der Kassenärztlichen Vereinigung melden sollen? Aus der Zahl der dort
eingegangenen Anrufe kann man aus unserer Sicht nicht ableiten, dass die Versorgung problemlos
funktioniert.“
Umso bemerkenswerter sei, dass die KVT an anderer Stelle selbst erklärt, keine Einschätzung
darüber abgeben zu können, ob die umliegenden HNO-Praxen überhaupt über ausreichende
Kapazitäten verfügen, um weitere Patienten aufzunehmen. Jeder Arzt entscheide selbst über die
Aufnahme neuer Patienten.
„Wenn die KVT selbst nicht weiß, ob die verbliebenen Praxen über ausreichende Kapazitäten
verfügen, kann aus unserer Sicht gleichzeitig nicht davon ausgegangen werden, dass sich die
Patienten unkompliziert verteilt haben. Hier brauchen wir Erkenntnisse über die tatsächliche
Situation der Menschen vor Ort.“
Reichen 60.000 Euro Förderung?
Für Praxisübernahmen im Saale-Orla-Kreis besteht nach Angaben der KVT eine Förderung in Höhe
von 60.000 Euro. Gleichzeitig verweist die KVT selbst auf die Situation im Landkreis Sonneberg.
Dort ist seit 2024 kein HNO-Arzt mehr tätig. Ein zunächst auf 60.000 Euro festgelegter
Investitionskostenzuschuss wurde von der KVT auf 100.000 Euro erhöht. Dennoch habe sich
bislang kein Interessent gefunden.
„Wenn selbst eine Förderung von 100.000 Euro in Sonneberg bislang keinen HNO-Arzt für eine
Niederlassung gewinnen konnte, muss die Frage erlaubt sein, ob 60.000 Euro im Saale-Orla-Kreis
ausreichen werden. Wir brauchen aktive Bemühungen um einen Nachfolger und dürfen nicht erst
reagieren, wenn die Versorgungslücke dauerhaft entstanden ist“, erklärt Kleindienst.

Landkreis und KVT beraten bereits über kommunales MVZ
Eine weitere wichtige Information enthält die Antwort der KVT zu Gesprächen mit dem Saale-Orla-
Kreis. Danach fand am 18. August 2026 ein Termin zwischen Landrat Christian Herrgott, der
Arztlotsin des Landkreises sowie Vorstand und Geschäftsführung der KVT statt.
Dabei wurde das Gesamtkonzept „Gesundheit des Saale-Orla-Kreises“ vorgestellt. Diskutiert
wurden unter anderem telemedizinische Angebote sowie die mögliche Gründung eines
kommunalen Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Trägerschaft des Landkreises.
Die KVT begrüßt diese Ansätze und will die weitere Zusammenarbeit unterstützen.
Die UBV begrüßt ausdrücklich, dass Landkreis und KVT gemeinsam nach Lösungen zur Sicherung
der medizinischen Versorgung suchen. Gerade angesichts der aktuellen Entwicklung ist es richtig
und notwendig, verschiedene Möglichkeiten zu prüfen. Dazu kann auch ein kommunales MVZ
gehören.
Umso unverständlicher ist für die UBV allerdings die mangelnde Information gegenüber den
Mitgliedern des Kreistages. Bereits seit Anfang Mai liegen dem Landrat Anfragen von Wolfgang
Kleindienst zur Situation und weiteren Entwicklung der medizinischen Versorgung am
Krankenhaus Pößneck vor. Diese sind bis heute nicht beantwortet.
„Es ist schon bemerkenswert: Während meine Fragen zur medizinischen Versorgung am Standort
Pößneck seit Monaten unbeantwortet sind, erfahren wir aus einer Antwort der Kassenärztlichen
Vereinigung, dass der Landkreis inzwischen ein Gesamtkonzept zur Gesundheitsversorgung
vorgelegt hat und mit der KV bereits über Telemedizin und sogar die mögliche Gründung eines
kommunalen MVZ in Trägerschaft des Landkreises spricht“, erklärt Kleindienst.
„Ich begrüße ausdrücklich, dass solche Gespräche geführt werden. Was ich nicht akzeptieren
kann, ist, dass gewählte Kreistagsmitglieder wesentliche Informationen über die zukünftige
Gesundheitsversorgung unseres Landkreises erst auf diesem Umweg erfahren. Wer über ein
kommunales MVZ in Trägerschaft des Landkreises nachdenkt, muss darüber auch den
Kreistag frühzeitig und umfassend informieren.“


Die UBV erwartet deshalb, dass das Gesamtkonzept „Gesundheit des Saale-Orla-Kreises“ den
zuständigen Gremien des Kreistages vorgestellt und erläutert wird. Dabei muss auch dargelegt
werden, welche konkreten Überlegungen zu einem kommunalen MVZ bestehen, welche Standorte
und medizinischen Fachrichtungen dabei betrachtet werden und welche finanziellen und
organisatorischen Auswirkungen für den Landkreis zu erwarten wären.
Die Thematik wird deshalb auch in der kommenden Ausschusssitzung des Kreistages angesprochen.
Die Antwort der Kassenärztlichen Vereinigung wird dabei eine Grundlage für weitere Fragen sein.


Die UBV wird einen weiteren schleichenden Abbau der ambulanten und stationären
Gesundheitsversorgung in Pößneck und im Saale-Orla-Kreis nicht widerspruchslos
hinnehmen.
„Wir erwarten konkrete Anstrengungen zur Sicherung des HNO-Standortes Pößneck und eine
offene Diskussion darüber, wie die medizinische Versorgung unseres Landkreises langfristig
gesichert werden soll. Die Menschen im ländlichen Raum haben denselben Anspruch auf eine
erreichbare und verlässliche medizinische Versorgung wie die Menschen in Ballungsgebieten.“


Hinweis an betroffene Bürgerinnen und Bürger


Sie haben nach der Schließung der HNO-Praxis in Pößneck Schwierigkeiten, einen neuen
HNO-Arzt oder einen zeitnahen Termin zu finden?
Dann teilen Sie Ihre persönlichen Erfahrungen bitte auch der Kassenärztlichen Vereinigung
Thüringen (KVT) mit.
Die KVT hat in ihrer Antwort darauf verwiesen, dass ihr derzeit keine konkreten Patientenanfragen
aus dem Raum Pößneck vorliegen und daraus geschlossen, die Verteilung der Patienten müsse
unkompliziert erfolgt sein.
Damit die tatsächliche Situation vor Ort sichtbar wird, sollten sich insbesondere Bürgerinnen und
Bürger melden, die keinen HNO-Arzt finden, der sie als neuen Patienten aufnimmt, sehr lange
auf einen Termin warten müssen oder für eine Behandlung weite Wege zurücklegen müssen.
Kontakt zur Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen:
Telefon: 03643 559-0


Online-Kontaktformular der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen
Kassenärztliche Vereinigung Thüringen
Zum Hospitalgraben 8
99425 Weimar


Nur wenn bestehende Versorgungsprobleme auch bekannt gemacht werden, können sie bei
der Beurteilung der tatsächlichen Situation berücksichtigt werden.
UBV – Unabhängige Bürgervertretung Saale-Orla



Wolfgang Kleindienst
Mitglied des Kreistages des Saale-Orla-Kreises
Mitglied des Stadtrates Pößneck
Unabhängige Bürgervertretung Saale-Orla – UBV

 

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