Landratswahl im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 2026

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Die Kandidaten stellen sich vor – Teil 2

 

HalloOberland möchte Ihnen die Kandidaten näher vorstellen. Jeder Kandidat bekam hierfür einen kurzen Fragenkatalog mit den Schwerpunkten Persönliches, Politisches und Spezifisches zur Landratswahl, zu. Die Antworten veröffentlichen wir unbearbeitet und ungekürzt.

 

Als nächstes größeres politisches Ereignis sehen wir, am 07. Juni 2026, der Wahl des neuen Landrates von Saalfeld-Rudolstadt, spannend entgegen. Als potentielle Nachfolger stehen Sie Herr Wolfgang Wehr (Parteilos) neben Thomas Benninghaus (AfD) und Amtsinhaber Marko Wolfram (SPD), ebenfalls zur Wahl.

 

Damit unsere Leser die Möglichkeit haben, Sie besser kennenzulernen und zu verstehen, wie Sie die Zukunft unseres Landkreises gestalten möchten, Haben wir Ihnen ein paar Fragen gestellt.

 

Jeder Kandidat bekam hierfür den identischen Fragenkatalog mit den Schwerpunkten Persönliches, Politisches und Spezifisches zur Landratswahl, zu. Die Antworten veröffentlichen wir unbearbeitet und ungekürzt. 

 

A) Persönliches

 

1. Wo sind Sie geboren und aufgewachsen und wo leben Sie heute? Ich bin in Saalfeld
geboren und in Probstzella aufgewachsen, wo ich heute mit meiner Familie lebe.

 

Wie hat Ihre Kindheit Ihre Interessen und Ihre Verbindung zur Region geprägt? Hier
bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen. Meine Familie und Freunde leben hier –
Saalfeld-Rudolstadt ist meine Heimat. Das prägt und motiviert mich täglich, dafür zu
arbeiten, dass unsere Region für Familien, junge Menschen, Berufstätige und ältere Bürger
lebenswert bleibt.

 

2. Sind Sie verheiratet und haben Sie Kinder? Ja, ich bin verheiratet und habe zwei Söhne.

 

Was haben Sie für einen Beruf erlernt bzw. arbeiteten Sie vor Ihrer politischen
Laufbahn? Ich habe Volkswirtschaft in Jena, England und Paris studiert. Danach war ich
wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FSU Jena und im Deutschen Bundestag. Von 2006 bis
2013 war ich Bürgermeister in Probstzella, danach Erster Beigeordneter des Landkreises.
Seit 2014 übe ich das Amt des Landrats mit großem Verantwortungsbewusstsein, Erfahrung
und voller Einsatzbereitschaft aus.

 

3. Was machen Sie in Ihrer Freizeit, bzw. was sind Ihre Hobbys?

 

Am liebsten Wandern und Radfahren in unserer wunderschönen Natur.

 

B) Politisches

 

1. Wie sind Sie zur Politik gekommen, gab es ein besonderes Schlüsselerlebnis in Ihrem
Leben?

 

Mein Schlüsselerlebnis war die Wendezeit 1989/90. Als Jugendlicher im Grenzort
Probstzella zu erleben, wie sich die Grenze öffnete und Mut zur Veränderung ein ganzes
Land neugestaltete, hat mich tief geprägt. Ich wollte danach nicht nur zuschauen, sondern
meine Heimat aktiv mitgestalten.

 

2. Haben Sie bereits in anderen politischen Ämtern gedient oder an lokalen Initiativen
teilgenommen, die für die Region relevant sind?

 

Ja, als langjähriger Bürgermeister von Probstzella (2006–2013), als Erster Beigeordneter und

nunmehr seit 12 Jahren als Landrat unseres Landkreises.

 

3. Welche Ehrenämter bzw. welches gesellschaftliche Engagement führen Sie aus?

 

Ich bin Mitglied in zahlreichen regionalen Vereinen. Eine echte Herzensangelegenheit ist mir dabei
die Kultur- und Sportstiftung der Gemeinde Probstzella, deren Vorstandsvorsitzender ich bin.

 

4. Was war Ihr bisherig persönlich größter politischer Erfolg?

 

Drei Meilensteine stehen für mich besonders: das verantwortungsvolle Krisenmanagement in der

Corona-Pandemie, die Bewältigung großer Herausforderungen bei der Unterbringung und Integration von
Geflüchteten ab 2015 sowie nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 und der Theaterneubau

in Rudolstadt mit der hart verhandelten, fairen 50:50-Finanzierung zwischen Land und Kommunen.

 

5. Was war Ihr bisherig persönlich größter politischer Misserfolg?

 

Natürlich gab es Projekte, bei denen ich mir schnellere Fortschritte gewünscht hätte. Besonders ärgerlich ist
die lange Verzögerung beim Ausbau der B285 im Bereich Vogelschutz. Seit 2018 war die Finanzierung gesichert,

dennoch beginnt das Land erst im kommenden Jahr mit dem Bau. Für die Menschen vor Ort ist das

schwer nachvollziehbar. Deshalb ist es meine Aufgabe, weiter Druck zu machen und transparent zu erklären,

woran Verzögerungen liegen.

 

C) Landratswahl SLF

 

1. Welche Erfahrungen oder Qualifikationen glauben Sie, dass Sie besonders gut auf die
Rolle des Landrats vorbereiten?

 

Ich übe dieses Amt seit zwölf Jahren aus und kenne die
Verwaltung, die Städte und Gemeinden sowie die zentralen Zukunftsfragen unseres
Landkreises sehr genau. Gemeinsam mit Verwaltung, Bürgermeistern, Kreistag und vielen
Partnern haben wir schwere Krisen gemeistert und wichtige Projekte vorangebracht. Gerade
in unruhigen Zeiten braucht unser Landkreis Erfahrung, Verlässlichkeit und die Fähigkeit,
unterschiedliche Interessen zusammenzuführen.

 

2. Welche positiven Aspekte oder Errungenschaften des vorherigen Landrats schätzen Sie
besonders?

 

Mein Vorgänger Hartmut Holzhey kämpfte stets für die Linkenmühlenbrücke.
Ich bin sehr froh, dass wir für das Projekt jetzt eine gute Lösung gefunden haben.

 

3. Gibt es bestimmte Bereiche oder Politikansätze, die Sie anders gestalten oder
verbessern möchten im Vergleich zu Ihrem Vorgänger?

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass nachhaltige Fortschritte nur gemeinsam gelingen. Deshalb setze ich auf Dialog,

klare Entscheidungen und tragfähige Mehrheiten im Kreistag. Kommunalpolitik muss Probleme
lösen und darf sich nicht in parteipolitischer Konfrontation verlieren.

 

4. Welche konkreten Ziele oder Projekte sehen Sie als Ihre wichtigsten Prioritäten, um den Landkreis voranzubringen?

 

Meine wichtigsten Prioritäten sind der Neubau des Bettenhauses der Thüringen-Kliniken in Saalfeld, der Bau des neuen
Gefahrenabwehrzentrums, verlässliche Investitionen in Schulen und Straßen, eine bürgerfreundliche Digitalisierung der Kreisverwaltung sowie eine starke medizinische Versorgung in der Fläche.

 

5. Wie stehen Sie einer parteiübergreifenden, sachbezogenen Zusammenarbeit aller politischen Gruppierungen im Kreistag gegenüber?

 

Sachbezogene Zusammenarbeit ist bei uns gelebte Realität. Der letzte Kreishaushalt wurde ohne Gegenstimmen beschlossen. Auch bei wichtigen Zukunftsprojekten gab es stabile Mehrheiten. Das zeigt: Wenn es um Schulen, Kliniken, Straßen, Feuerwehr oder Verwaltung geht, steht für mich der Landkreis im Mittelpunkt – nicht Parteitaktik.

 

6. Stichwort direkte Demokratie – wie ist Ihr Standpunkt bzgl. mehr Bürgerbeteiligung
bzw. Volksentscheide in Thüringen?

 

Bürgerbeteiligung ist wichtig, gerade auf kommunaler Ebene. Viele Entscheidungen werden besser, wenn die Menschen frühzeitig informiert und einbezogen werden. Deshalb lade ich regelmäßig zur Bürgersprechstunde ein und möchte dieses Format künftig stärker in die Ortschaften bringen. Gleichzeitig braucht Demokratie Menschen, die dauerhaft Verantwortung übernehmen – in Gemeinderäten, im Kreistag, in Vereinen, Initiativen und Parteien.

 

7. Welches Versprechen geben Sie Ihren Wählern und was tun Sie, wenn dieses
Versprechen nicht gehalten werden kann?

 

Mein Versprechen lautet: Ich arbeite weiter mit voller Kraft, Erfahrung und Verlässlichkeit für unseren Landkreis. Die großen Aufgaben – moderne Schulen, gute medizinische Versorgung, Straßen, Digitalisierung, Katastrophenschutz und der Neubau des Klinik-Bettenhauses – brauchen keine einfachen Parolen, sondern konkrete Arbeit und einen langen Atem. Nicht jedes Projekt hängt allein vom Landkreis ab. Aber ich verspreche, Probleme offen zu benennen, Lösungen zu suchen
und ehrlich zu sagen, wenn sich etwas verzögert.

 

Die zukünftig wichtigsten Themen im Landkreis

 

Bildung und Schule

 

Sehen Sie als Landrat Möglichkeiten dem Lehrermangel an unseren Schulen entgegenzuwirken?

 

Die Einstellung und Verteilung von Lehrkräften liegt in Thüringen beim Land, nicht beim Landkreis. Aber das heißt nicht, dass wir untätig sind. Als Schulträger sorgen wir für moderne Gebäude, gute Ausstattung, Digitalisierung und
verlässliche Rahmenbedingungen. Gleichzeitig bin ich im Austausch mit Schulamt und Ministerium, um konkrete Problemlagen aus unserem Landkreis deutlich zu benennen. Wo der Kreis zuständig ist, handeln wir. Wo das Land zuständig ist, fordern wir Lösungen ein.

 

Wie wollen Sie den Sanierungsstau an unseren Schulen entgegenwirken?

 

Indem wir konsequent Förderprogramme von Bund und Land nutzen und unsere eigenen Kreismittel gezielt dort einsetzen, wo sie den größten Nutzen bringen. Wichtig ist mir: Schulsanierung muss planbar, verlässlich und nach klaren Prioritäten erfolgen. Das aktuelle Investitionsförderprogramm des Freistaats hilft uns hierbei spürbar.

 

 
Gesundheitswesen

 

Im ländlich geprägten Raum wird es zukünftig einen erheblichen Mangel an Arztpraxen geben. Wie wollen Sie die medizinische Grundversorgung im Landkreis langfristig sicherstellen?

 

Als Gesellschafter der Thüringen-Kliniken sichern wir die Standorte Saalfeld, Rudolstadt und Pößneck. Zudem haben wir über die klinikeigenen MVZs bereits 35 Praxisstandorte in der Region etabliert. Diesen Weg wollen wir konsequent
fortsetzen: starke Klinikstandorte, medizinische Versorgungszentren in der Fläche und eine enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten. Gerade im ländlichen Raum müssen medizinische Angebote erreichbar bleiben.

 

Welche Möglichkeiten haben Sie, die Pflege sicher zu stellen (Fachkräftemangel, hohe Kosten)?

 

Wir setzen auf Ausbildung vor Ort über unsere renommierte Medizinische Fachschule. Zudem qualifizieren wir in Kooperation mit dem Jobcenter und dem Bildungszentrum Saalfeld gezielt Jugendliche sowie sprachkompetente Fachkräfte aus dem
Ausland. Bei den Kosten müssen wir ehrlich über Standards, Bürokratie und Finanzierung sprechen. Gute Pflege braucht Qualität, aber sie darf nicht durch unnötige Bürokratie zusätzlich verteuert werden.

 

Solarparks und Windkraftanlagen

 

Wie stehen Sie generell zum Ausbau der erneuerbaren Energien?

 

Erneuerbare Energien sind notwendig, wenn wir unabhängiger von fossilen Importen und schwankenden
Weltmarktpreisen werden wollen. Entscheidend ist aber, dass solche Projekte mit Augenmaß umgesetzt werden.

Die Menschen vor Ort müssen einbezogen werden, Flächen dürfen nicht beliebig verbraucht werden, und die Wertschöpfung sollte möglichst in der Region bleiben – etwa durch regionale Betreiber, kommunale Beteiligung oder Bürgerenergie.

 

Können und werden Sie die Versiegelung der land- und forstwirtschaftlichen Flächen verhindern?

 

An eine Genehmigung sind strenge Maßstäbe angelegt und jede Maßnahme muss im Einzelfall geprüft werden. Der Schutz von Natur, Landschaft und landwirtschaftlichen Flächen ist dabei ernst zu nehmen. Auf über 98 Prozent der Flächen im
Landkreis ist Windkraft ausgeschlossen. Bei Solaranlagen setze ich vorrangig auf bereits versiegelte oder vorbelastete Flächen, etwa Dächer, Parkplätze oder geeignete Konversionsflächen. Wo Freiflächen genutzt werden, müssen Landwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz sorgfältig berücksichtigt werden.

 

Gebührenbelastung der Bürger

 

Im Bereich Energie, Wasser, Abwasser und auch Abfälle steigen die Kosten und Gebühren immens. Wo sehen Sie hier Einflussmöglichkeiten des Landkreises auf die Belastung der Bürger?

 

Viele Kostensteigerungen entstehen nicht im Landkreis, sondern durch Energiepreise, Baukosten, Löhne, gesetzliche Standards und demografische Entwicklungen. Trotzdem müssen wir als Kreis genau hinschauen, wo wir Einfluss haben.
Beim ZASO achten wir auf strikte Kontrolle und wirtschaftliches Handeln. Gegenüber dem Land fordere ich, dass ländliche Räume bei der Finanzierung stärker berücksichtigt werden, weil sich Infrastrukturkosten auf weniger Einwohner verteilen.

 

Können und werden Sie klein- und mittelständige Unternehmen entlasten?

 

Der Kreis erhebt keine eigenen Unternehmenssteuern. Deshalb liegt unser wichtigster Beitrag darin, Verfahren zu beschleunigen, Ansprechpartner erreichbar zu machen und bürokratische Hürden dort abzubauen, wo wir es selbst beeinflussen können – wie beim Hotel Morgenroth oder dem neuen Edeka in Oberweißbach, die in Rekordzeit genehmigt wurden. Zudem stärken wir Firmen aktiv durch unsere Wirtschaftsförderagentur und das Innovations- und Gründerzentrum.

 

Infrastruktur

 

Positionierung zum Wiederaufbau der Linkenmühle-Brücke.

 

Wir haben nach über 80 Jahren die historische Chance auf eine dauerhafte Stauseequerung. Das Geld von Bund und
Land ist da, der Bau ist genehmigungsfähig und der Kreistag hat den Entwurf mit großer Mehrheit beschlossen. Ich werbe dafür, dieses wichtige Projekt jetzt sachlich und zielgerichtet voranzubringen. Das ist wichtig für die Anwohner, die regionale Entwicklung und den Tourismus.

 

 

Zum Schluss sei noch die Frage erlaubt, ob Sie mit allen im Kreistag vertretenen Fraktionen auf Sachebene zusammenarbeiten werden oder ob Parteipolitik über der Kommunalpolitik steht (Stichwort Brandmauer).

 

Im Kreistag geht es zuerst um die Menschen im Landkreis: um Schulen, Straßen, Kliniken, Feuerwehr, Abfall, Busverkehr

und eine funktionierende Verwaltung. Ich arbeite sachbezogen mit allen demokratisch gewählten Kreisräten zusammen, wenn es dem Landkreis dient. Grundlage sind für mich aber immer unsere Verfassung, Respekt und Verantwortung. Parteitaktik darf kommunale Lösungen nicht blockieren – zugleich darf Kommunalpolitik nicht zur Bühne für Spaltung und einfache Parolen werden.

 

Titelbild: M. Wolfram

 

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