VOM HÄMMER-TAL ZUM THÜRINGER MEER

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Eine zusammenhängende Ortschaft gab es jedoch lange Zeit nicht, als Saaldorf im Jahr 1689 erstmals offiziell in Urkunden erwähnt wurde.

Wie aus verstreuten Schmelzhütten und fürstlichen Jagdschlössern das heutige Saaldorf entstand:

Wurzeln im Mittelalter

Eingebettet in die steilen Schieferfelsen des Thüringer Oberlandes liegt das heutige Saaldorf. Wo sich heute Segelboote auf dem sanften Wasser der Bleilochtalsperre wiegen, dröhnten einst schwere Eisenhämmer, rauchten Alaunöfen und vergnügten sich der fürstliche Adel bei der Jagd. Ein Blick in die Annalen zeigt eine Geschichte voller Wandel, Pioniergeist und dramatischer Veränderungen.

Die Besiedlung des oberen Saaletals reicht weit zurück. Begünstigt durch die schier unerschöpflichen Fichtenwälder des Schiefergebirges und die unbändige Wasserkraft der Saale entstanden bereits im 12. und 13. Jahrhundert erste kleine Schmelzhütten und Freigüter, darunter das nahe gelegene Rittergut Haueisen. Damals glich es einer Ansammlung versprengter Einzelgehöfte, Sägemühlen und Hammerwerke.

„Saalpolynesien“ – so nannten die Einheimischen im 19. Jahrhundert scherzhaft ihre zerklüftete Heimat.

Der volkstümliche Name verdeutlichte scherzhaft die geographische Zersplitterung: Wie kleine Inseln lagen die einzelnen Höfe im Tal und an den steilen Hängen verteilt. 

Machtspruch des Fürsten

Erst im Jahr 1784 setzte Fürst Heinrich XXXV. aus dem Hause Reuß der administrativen Zersplitterung ein Ende. Durch fürstlichen Erlass fasste er die verstreuten Siedlungen zum offiziellen „Gemeindeverband Saaldorf“ zusammen.

Damit begann die Blütezeit als vielseitiger Gewerbestandort im reußischen Oberland. Die Kombination aus Wasserkraft und reichen Bodenschätzen lockte Unternehmer und Handwerker an.

Hämmer, Harz und Alaun

Besondere Bedeutung erlangte ab 1795 der Rödelshammer, ein bedeutendes Eisenwerk, das über Generationen hinweg Arbeit und Wohlstand brachte. Nicht minder bekannt war das Alaunwerk „Christiansglück“ (1799 – 1831), das im Volksmund wegen einer markanten Flussbiegung liebevoll „Silberknie“ genannt wurde. Hier gewann man wertvollen Alaun und Vitriol für die Tuch- und Lederindustrie.

Ergänzt wurde das gewerbliche Treiben durch Ziegelwerke, Sägemühlen wie den Spaniershammer, Kupferaufbereitungen und Wollspinnereien.

Fürstlicher Glanz

Auch die regierenden Fürsten Reuß schätzten die abgeschiedene Schönheit des Tals. Bereits 1699 erbauten sie das Obere Schlösschen („Schlössel“). Einen architektonischen Höhepunkt setzte das von 1834 bis 1837 errichtete Jagdschloss Waidmannsheil im neugotischen Stil, das als repräsentativer Stützpunkt für fürstliche Jagdgesellschaften diente.

Der Untergang im Stausee

Den tiefgreifendsten Wandel erlebte Saaldorf zu Beginn der 1930er-Jahre. Mit dem Bau der gigantischen Bleilochtalsperre zur Hochwasserregulierung und Stromerzeugung veränderte sich das Gesicht des Tals für immer.

Historische Ortsteile und traditionsreiche Hammerwerke – wie Neuhammer und Teile des Spaniershammers – mussten geräumt werden. Sie sind für immer in den Fluten des neu geschaffenen Stausees versunken. 

CHRONIK AUF EINEN BLICK

  • 12./13. Jh.: Erste Hüttenwerke & Güter im Saalebereich.
  • 1689: Ersterwähnung von Saaldorf als Siedlungskomplex.
  • 1784: Gründung des Gemeindeverbandes durch Fürst Heinrich XXXV.
  • 1795: Inbetriebnahme des Rödelshammers.
  • 1837: Fertigstellung des Jagdschlosses Waidmannsheil.
  • 1930 – 1932: Bau der Talsperre und Überflutung alter Ortsteile.
  • 1962: Eingemeindung nach Lobenstein.

Neuanfang als Erholungsort

Wo einst der Lärm der Eisenhämmer hallte, erstreckt sich heute das friedliche „Thüringer Meer“. Nach der Eingemeindung nach Bad Lobenstein im Jahr 1962 hat sich Saaldorf neu erfunden: Als beliebter Wassersport- und Erholungsort zieht das einst geflutete Tal heute Wanderer, Segler und Naturgenießer an.

von Heiko P. Saaldorf

Bilder: KI generiert

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