Oberland, Jugendblätter für Volks- und Heimatkunde 1925 – Teil 6

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von Brigitte Richter

 

Auf zum vorerst letzten Text aus dem alten „Heimatjahrbuch“ von 1924, den ich für Sie, liebe Hallooberland-Leser abschreibe.

Es sollte ursprünglich nur ein- oder zweimal Ihrer Unterhaltung dienen, aber ich hab mich so festgelesen in diesen Büchern, dass ich mir wünschte, es gäbe sie noch in Antiquariaten  oder vielleicht bei Haushaltsauflösungen, zu Flohmärkten oder in verstaubten Regalen, und sie würden mir „in die Hände fallen“!

 

Und heute schreibe ich für Sie wörtlich ab:

 

Der „Mühlfleck“ am Thimmendorfer Grundbach (Nach einer alten Ortssage)

 

Viel Schönes ist noch im Dörfchen erhalten

An Sitten, Gebräuchen und Sagen der Alten.

Gar manches erzählt man aus uralter Zeit,

die hinter uns liegt, ach, so weit, so weit.

Noch heute ist in der Leute Mund,

die traurige Mär von der Mühle im Grund.

Ein Bächlein springt lustig durchs Wiesental hin,

es spielet die muntre Forelle darin.

Da plötzlich hemmt es den raschen Lauf,

blickt sinnend, mit Wehmut, zum Ufer hinauf.

Es weiß, hier lag einst, in schattiger Kühle,

ganz einsam und still die Grundbachmühle,

Weder Mensch noch Pflanze, noch Stein und Tier,

kann etwas genaues berichten von ihr.

Nurs Bächlein raunt leise, es murmelt und rauscht,

es hat mir erzählt, ich hab ihm gelauscht:

Ein Müller, zwei Töchter, bewohnten das Haus,

der Teufel, so hieß es, ging ein und aus.

Der Müller verschrieb sich, und das sei wahr,

dem Bösen, dem Teufel, mit Haut und Haar,

und dieser versprach ihm der Reichtümer viel,

dem geizigen Müller das recht gut gefiel.

Die Seele geriet in des Teufels Macht,

der höhnisch sich eins ins Fäustchen gelacht.

Er rief dazu noch, sehr spöttisch und laut,

dass dem Vater und seinen Töchtern graut:

„Du Müller, Dein Haus und Ihr Töchterlein,

ihr seid mir verfallen, mir ganz allein!

Was ich Euch gebiete dass müsst ihr nun,

sogleich und ohne Murren tun.

Ins nahe Dorf könnt ihr wohl gehen,

dürft lustig und froh beim Tanz Euch drehn,

doch naht die mitternächtliche Stund,

verlasst dann den Saal und eilt in den Grund,

damit Ihr um zwölf zuhause seid!

Sobald überschritten Ihr habt die Zeit,

ists um das Haus und Euch geschehn!

Die Mühle im Grund wird untergehn!

Oft kamen die Mädchen und tanzten im Saal,

doch kurz vor zwölf sie schritten ins Tal,

zur Mitternacht mussten im Hause sie sein.

Um zwölf trat der Satan zur Türe herein,

zu sehen ob alles im Hause nun wär,

dann fuhr er von hinnen, wies weiße Heer.

Da, eines Abends, schon schlugs zwölf Uhr,

da tanzten sie weiter, Tour um Tour,

bis plötzlich es ihnen wurde klar,

dass Mitternacht längst vorüber war.

Voll Angst und voll Schrecken riefen sie aus:

„Heut kommen wir nimmermehr nach Haus!“

Ihr Auge sich trübte, ihr Antlitz ward bleich:

„Ihr Burschen und Mädchen, geht morgen zum Teich!

Da werdet ihr sehen, dass beide wir tot!

Wenns Wasser sich färbt, wie Blut so rot!“

Am Morgen da eilten die Burschen zum Ort,

das Wasser blutrot, die Mädchen warn fort.

Noch heut wird das Tal, wo die Mühle einst stand,

im Dorfe noch immer der „Mühlfleck“ genannt.

So raunte das Bächlein, von dannen ich schied.

Hör oft noch des Bächleins uraltes Lied.

                                                          

                                                                             W. Schindewolf

 

Was mich so sehr beeindruckt an alten Sagen, Geschichten und Märchen, ist die Art und Weise, den Menschen vor Augen zu führen, was Recht und Unrecht ist und wie Raffgier und Habsucht am Ende bestraft werden und niemandem Glück bringen.

Vielleicht fehlen uns heute genau diese Geschichten… Ich überlasse das mal weiter Ihrer Fantasie….

Ihre Brigitte Richter aus Thierbach

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