Mit Herz und Engagement: Hilfe für Lehesten
Rentner Alfred K. ist einer der vielen dankbaren Lehestner. Täglich wird ihm das Mittagessen an die Haustür geliefert. Möglich machen dies die ehrenamtlichen Menschen in Lehesten.

Andreas Martin, Hela Thiel, Gernot Dick sowie sein Sohn Arthur, Andrea Zschächner und das neuste Mitglied Susann Wolfram. Gefunden hat sich dieses Gespann durch widrige Umstände und die Sorge, dass die Lehestener Rentner und Hilfebedürftigen keine Mittagsversorgung mehr haben.
Angefangen hat alles mit den Einschränkungen der Coronapandemie. In Lehesten gibt es seit einigen Jahren nur noch eine Gaststätte, die ehemalige HO-Gaststätte, das heutige „Glück Auf“. Täglich trafen sich verschiedene Einwohner dort um das Stammessen zu verspeisen. Dieses wurde kostengünstig angeboten und brachte die Menschen zusammen, die sonst allein zu Hause oder vielleicht auch keine warme Mahlzeit genossen hätten.
Aufgrund der coronabedingten Schließung führte Inhaberin Jeanette Kessel die Auslieferung der Stammessen ein. Aufgrund des guten Rufes der Gaststätte und der Mundpropaganda wurden täglich bis zu 30 Essen gekocht und geliefert.
Aus unterschiedlichen Gründen wie Alter oder Hilfebedürftigkeit behielt man den Service des Auslieferns auch nach Beendigung der Coronamaßnahmen bei.
Jedoch musste Inhaberin Jeanette Kessel zum 01.07.2024 aus strukturellen Gründen die Belieferung und auch das Stammessen an sich einstellen. Die Kunden wurden dazu rechtzeitig informiert.
Und nun das Problem.
In Lehesten gibt es kein weiteres Angebot der täglichen Essensbelieferung.
Andrea Zschächner, welche als Angestellte der Gaststätte auch die Essen auslieferte und zu vielen Kunden als geborene Lehestenerin eine persönliche Bindung hat, beschäftigte dieses Problem sehr.
Eigeninitiativ suchte sie nach Lösungen. Anfragen wurden an die Dachdeckerschule Lehesten sowie den Kindergarten gerichtet. Diese blieben jedoch zunächst erfolglos. Sie band in ihre Bemühungen den damaligen Stadtrat René Steinbach ein. Daraus resultierten Treffen mit der Bürgermeisterin Nicole Vockeroth und der Kindergartenleitung Kerstin Heyder. Frau Heyder war gewillt den Rentnern in ihrer Prämisse zu helfen, jedoch stand die damalige Köchin kurz vor dem Renteneintritt und traute sich, verständlicherweise, die weitere Anzahl an Essen nicht zu. Ein neuer Koch bzw Köchin war noch nicht in Sicht.
Die Bürgermeisterin erwägte die Option einer Stadtküche. Der Gedanke : täglich frisches und gesundes Essen für alle zubereitet von der gelernten Köchin Hela Thiel. Jedoch waren die behördlichen Auflagen zu hoch und die Finanzierbarkeit über die Stadt nicht möglich.
Eine weitere Anfrage ging an die „Großküche“ in Wurzbach. Dort wurden direkt die Mittagessen zugesagt. Leider ohne Auslieferung.
Ein weiteres Problem. Wie sollte nun das tägliche Essen von Wurzbach nach Lehesten zu den Rentnern gelangen?
Kurzerhand und unbewusst gründete Andrea Zschächner ein Ehrenamt. Essen auf Rädern!
Die ersten Fahrer waren Andrea Zschächner, Hela Thiel, Norbert Reiber und Herbert Lange.
Getreu dem Motto: von Leh´stnern für Leh´stner.
Die Beweggründe sind unterschiedlich. Andrea Zschächner wollte ihren Stammgästen und Freunden helfen.
Hela Thiel sagt: „Ich dachte, dass ich auch älter werde oder hilfebedürftig und ich auch gern die Möglichkeit hätte, täglich eine warme Mahlzeit an die Tür geliefert zu bekommen. „
Der 19 Jährige Arthur sagt: „ Meine hauptsächliche Beweggründe waren, dass die Rentner sich nicht mehr groß fortbewegen können und denen man so, das Leben um einiges erleichtern kann. „
Die Bürgermeisterin hat daraufhin ein Schreiben an die Betroffenen Rentner verfasst und mitgeteilt, dass die „Großküche“ kocht und die Ehrenamtlichen gegen einen Obulus die Essen täglich ausliefern werden. Alle Betroffenen waren erfreut über diese Möglichkeit und gern bereit dieses Vorhaben zu realisieren und zu unterstützen.
Rentner Alfred K. sagt : „ Ich bin sehr zufrieden und dankbar für den Service. Besser kann es nicht sein. Ich bekomme eine warme Mahlzeit und der ein oder andere Spaß wird auch gemacht.“
Im April 2025 dann die freudige Nachricht durch Kindergartenleiterin Kerstin Heyder. Eine neue Köchin ist im Haus und wird von nun an die Essensversorgung übernehmen. Das Ehrenamt des Abholens im Kindergarten und Ausliefern an die verschiedenen Adressen ist geblieben.
Die neue Köchin Frau Schütze hat sich persönlich bei den Rentnern vorgestellt. Es gab ein gemeinsames Mittagessen im Kindergarten „Zwergenland“ . Die Kinder des „Zwergenland“ haben ein kleines Programm aufgeführt und Osternester wurden verteilt. Dies sorgte für große Begeisterung und auch die ein oder andere Spende für den Kindergarten.
Es können sich jederzeit Freiwillige melden, die das Ehrenamt und den Fahrerkreis unterstützen möchten.
Vor Kurzem gab es einen Aufruf. Leider hat sich daraufhin nur ein Bewerber gemeldet. „ Dies macht mich wütend und traurig.“ so Hela Thiel.
Andrea Zschächner sowie stellvertretend Isabel Paul kümmern sich zusätzlich um alle administrativen Aufgaben – Abrechnung, Einteilung und Bestellung.
Der Lohn ist der Dank!
Zufriedene Rentner und auch die ein oder andere kleine Aufmerksamkeit. Zusätzlich zeigte sich auch Bürgermeisterin Nicole Vockeroth sehr dankbar indem Sie die Mitglieder zur Ehrung der ehrenamtlichen Helfer eingeladen hatte und kleine Auszeichnungen vergab.
Bilder: Andrea Zschächner
Text: Juliane Zschächner





