Saaldorf
Es gibt Orte, an denen Straßenbau Geschichte schreibt. Und dann gibt es Ortsumgehungen, die so intim mit dem Dorfleben verwoben sind, dass man sich fragt, warum das Ganze überhaupt „Umgehung“ heißt. Welches Genie der Zivilingenieur Kunst hier am Werk war, bleibt ein behütetes Geheimnis – fest steht nur: Die Metropolen dieser Welt können von unserer Verkehrsführung noch einiges lernen.

Großstadt-Flair am Vorgarten.
Wer braucht schon das nächtliche Lichtermeer von Berlin oder London, wenn er vor der eigenen Haustür an roten Ampeln stottern kann? Die neue Trasse bringt echtes Großstadtfeeling aufs Land.Besonders gelungen ist der neue Kreisverkehr. Er besticht durch exklusive Auslastung: Ein paar PKWs und der Postbote genießen hier maximale Verkehrsleitung.

Zum Wochenende parken weiterhin LKW’s im Ort, um das Dorfbild mit Aufliegern zu verschönern.

ÖPNV hautnah: Badekappe nicht vergessen!
Ein wahrer Triumph der Bürgerfreundlichkeit zeigt sich auch an der neuen Bushaltestelle. Erinnern Sie sich noch an das alte, überdachte Buswartehäuschen (vor der Wende sogar beheizt)? Diesen verweichlichten, geschützten Raum abseits der Fahrbahn? Das war gestern! Heute steht der Nahverkehrs-Nutzer dort, wo das echte Leben tobt: direkt an der Kante zur Asphaltpiste.
Kostenlose Wechselbäder bei Regen inklusive. Abgehärtet wird hier nicht nur das Immunsystem, sondern auch der Orientierungssinn des öffentlichen Nahverkehrs. Selbst der legendäre Rufbus (man hat ihn noch nie gesehen) hat die Orientierung längst verloren und dreht auf der Suche nach der Haltestelle regelmäßig Suchschleifen durch die Botanik.

Akustische Geborgenheit dank B90
Doch was wäre ein Dorf ohne seine Geräuschkulisse? Die bange Sorge der Anwohner, nach dem Bau der Umgehung könnte eine beängstigende Stille einkehren, war völlig unbegründet. Die Schallwellen der B90 rollen nach wie vor ungehindert, ungebremst und in voller Lautstärke durch die Gassen und Schlafzimmer. Ein beruhigendes Brummen, das Erinnerungen wach hält und verlässlich jeden Wecker ersetzt. Was aber beseitigt wurde, war der Blick auf unser schönes Saaletal und seine idyllische Landschaft, eingetauscht gegen einen mehrere Meter hohen Erdwall.
Fazit: Hier wurde nicht einfach nur Teer auf die Wiese gekippt – hier wurde eine Vision umgesetzt. Eine Vision, die zeigt: Man kann Millionen verbauen, ohne dass sich irgendetwas verändert. Herzlichen Glückwunsch an die Verkehrsplaner. Wir freuen uns schon auf das nächste Projekt!

Bilder und Text: Redaktion HalloOberland






