Meilenstein für die Zukunft der Pflege in Thüringen: Diakoniestiftung geht in Ebersdorf innovativen neuen Weg in der Altenhilfe

Ministerin Katharina Schenk und Landrat Christian Herrgott würdigen die Bedeutung des Modellprojektes als wichtiges Signal für Thüringen und Deutschland

 

Schleiz/Ebersdorf. Die Zukunft der Pflege entsteht im Saale-Orla-Kreis, genauer gesagt in Ebersdorf. Das hat die Diakoniestiftung Thüringen am Samstag eindrucksvoll bei der Auftaktveranstaltung zu einem neuen und deutschlandweit einzigartigen Modellprojekt gezeigt. Unter dem Motto „Altern aktiv“ verfolgt das Vorhaben das Ziel, die Fähigkeiten und Ressourcen pflegebedürftiger Menschen zu reaktivieren und Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation stärker in den Pflegealltag zu integrieren. Eine absolute Revolution im Bereich der Pflege.

Die ganzheitliche Stärkung des Menschen im Fokus

Dementsprechend groß war auch das öffentliche Interesse an dem Projekt. Der Chorsaal im Seniorenzentrum Emmaus war bis auf den Platz gefüllt, als Ramón Seliger, der Rektor und Geschäftsführer der Diakoniestiftung Thüringen die Veranstaltung mit einer Andacht begann. Über die biblische Geschichte von Elia verdeutlichte er, dass für die Diakoniestiftung Thüringen die Stärkung des Menschen stets im Mittelpunkt steht. „Damit ist sowohl die körperliche, als auch die geistige und seelische Stärkung gemeint. Denn wir können das eine nicht ohne das andere denken“, betonte Seliger.

Deutschlandweit einzigartiges Modellprojekt in Ebersdorf

Mit der „Rehabilitativ orientierte Pflege und Prävention“ wird in Ebersdorf ein neuer Weg beschritten, der weg von einer rein passiven Versorgungsrolle hin zu mehr Befähigung und sozialer Teilhabe führen soll. „Nirgendwo sonst in Deutschland werden stationäre, teilstationäre und ambulante Pflege gemeinsam in ein derartiges Modellprojekt eingebunden. Darum bietet Ebersdorf mit seinen verschiedenen Einrichtungen die perfekten Voraussetzungen für die Erprobung dieses neuen Modells“, freut sich Dr. Klaus Scholtissek von der Diakoniestiftung Thüringen zu berichten.

Das Projekt begreift die dörfliche Struktur im ländlichen Raum als Chance, um neue Wege in der Pflege und bei der Versorgung älterer Menschen zu gehen. „Wir haben hier im Saale-Orla-Kreis gute Fachkräfte und starke soziale Strukturen und das Projekt nutzt genau diese Stärken. Wir setzen auf die Vernetzung und die Zusammenarbeit über Einrichtungsgrenzen hinweg, um die Durchlässigkeit der Angebote zu erhöhen und die regionale Versorgungssicherheit im ländlichen Raum zu stärken“, erklärt die Projektkoordinatorin Ramona Kleinhenz.

Projektpartner und wissenschaftliche Begleitung

Ermöglicht wird das Vorhaben durch das Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, die Edgar und Nina Kummerfeldt-Stiftung aus Hamburg, die Beteiligung der Pflegekassen und natürlich die Diakoniestiftung Thüringen. Dabei verdeutlicht die enge Partnerschaft aller Beteiligten das gemeinsame Interesse an der Stärkung und innovativen Weiterentwicklung der Pflegeinfrastruktur sowie die große Bedeutung, die das Vorhaben für die Zukunft der Pflege in Thüringen und darüber hinaus hat.

Wissenschaftlich begleitet wir das Modellprojekt durch den Fachbereich Gesundheit und Pflege der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. „Durch die regelmäßige Evaluation und Analyse wird das Projekt in verwertbare Ergebnisse übersetzt, die dann in die aktuellen wissenschaftlichen Publikationen und die Leitlinienarbeit unseres Fachbereiches eingebunden werden“, sagte die Professorin und Prodekanin des Fachbereichs Gesundheit und Pflege an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Prof. Dr. Susanne Grundke.

Vorbildcharakter für Thüringen und Deutschland

Die Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie Katharina Schenk nahm persönlich an der Veranstaltung teil und betonte den Vorbildcharakter des Projektes für Thüringen und Deutschland: „Wir sind die Ersten, die aus einem Gesetz ein Modellvorhaben gemacht haben und mit diesem Projekt haben wir die Chance, zu zeigen, wie wir als Land, als Kommune, als Kassen und Stiftungen uns gemeinsam die Zukunft der Pflege vorstellen“, so die Ministerin.

Landrat Christian Herrgott dankte allen Beteiligten für die Entwicklung und die Unterstützung dieses zukunftsweisenden und innovativen Vorhabens. „Ich freue mich, dass aus dem Saale-Orla-Kreis – hier aus Ebersdorf –  etwas Gutes und Großes für die Zukunft der Pflege in Thüringen und ganz Deutschland kommt. Wir wollen mit dem Modellprojekt gemeinsam zeigen, dass hier bei uns im ländlichen Raum innovative Pflege, einrichtungsübergreifende Unterstützung und Projekte für mehr Selbstbestimmung und Teilhabe ganz konkret umgesetzt werden und wir mit den Erfahrungen daraus einen Mehrwert für alle anderen erzielen“ beschrieb der Landrat die weit über den Landkreis hinausreichende Bedeutung des Projektes.

Für die Gäste der Auftaktveranstaltung wurde das neue Konzept in Ebersdorf auch praktisch erlebbar
Mit einfachen aber wirkungsvollen Übungen sollen die Fähigkeiten der älteren Menschen trainiert werden

Das Konzept: Aktivierung statt Passivität

Bei der anschließenden Vorstellung des Konzeptes der rehabilitativen Pflege erklärte Ramona Kleinhenz, dass mit Rücksicht auf die Wünsche und die Lebensleistung eines jeden Einzelnen die Potenziale der pflegebedürftigen Personen wieder aktiviert werden sollen. Mit individuell abgestimmte Bewegungsangeboten, therapeutischen Einzel- und Gruppenübungen, regelmäßigen Aktivierungsimpulsen soll die Pflegebedürftigkeit bei älteren Menschen hinausgezögert oder gar vermieden werden. Durch die Förderung der Selbstständigkeit und Mobilität wird auch die gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen gestärkt und pflegende Angehörige entlastet.

Um die therapeutischen Impulse in die tägliche Pflegearbeit mit einfließen zu lassen, konnten im Rahmen des Modellprojektes mehrere Therapeuten im Seniorenzentrum in Ebersdorf angestellt werden. Die Physio- und Ergotherapeuten gehen in individueller Abstimmung ganz konkret auf die Bedürfnisse jeder einzelnen Person ein, entwickeln Übungspläne, setzen kurzfristige wie auch langfristige Zielstellungen und praktizieren die Übungen mit den Bewohnern zusammen. „Es soll ein Miteinander von Pflegepersonal, Therapeuten und Kooperationspartner sein“, erläuterte Ramona Kleinhenz. „Man muss das Ganze erleben, man muss es sehen und es selber ausprobieren, um die Erfahrung zu machen, wie gut die Übungen tun.“

Einblicke in die praktische Umsetzung der rehabilitativen Pflege

Dazu hatten die Gäste und Teilnehmer der Auftaktveranstaltung dann auch selbst die Möglichkeit. Indem sie im wahrsten Sinne des Wortes einem „roten Faden“, den die Bewohner selbst gehäkelt hatten, durch die Einrichtungen folgten, wurde der Ansatz des Projekts für alle praktisch erlebbar. An verschiedenen Stationen eines Parcours, der vom Seniorenwohnen über das Pflegeheim bis zur Tagespflege führte, wurden aktivierende Übungen zur Kräftigung der Muskulatur sowie kognitive Lernspiele vorgestellt. Dieser Einblick verdeutlichte den Teilnehmern, wie die individuellen Fähigkeiten und die Mobilität der Bewohner und Klienten künftig systematisch gefördert werden, um die Selbstständigkeit zu erhalten, die Lebensqualität zu verbessern und ein würdevolles und selbstbestimmtes Altern bis zum Lebensende zu ermöglichen.

Julia Weiß

Pressestelle Landratsamt Saale-Orla-Kreis

Bilder: LRA-SOK, Titelbild: Ministerin Katharina Schenk bei der Auftaktveranstaltung zum neuen Modellprojekt im Seniorenzentrum in Ebersdorf

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