Medizinische Versorgung stärken und Ärzte gewinnen

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Mit dem „Gesamtkonzept Gesundheit“ ergreift der Saale-Orla-Kreis aktiv die Initiative

 

Schleiz. Die Absicherung der medizinischen Grundversorgung gehört aktuell zu den größten Herausforderungen im ländlichen Raum, denn schon jetzt ist die Versorgungslage vielerorts angespannt. Vor diesem Problem steht nicht nur der Saale-Orla-Kreis, jedoch tragen hier die großen Entfernungen, die geringe Bevölkerungsdichte mit einem hohen Altersdurchschnitt sowie die geringe Arztdichte zur Verschärfung des Problems bei. Laut Statistik kommen im Landkreis rund 565 Einwohner auf einen praktizierenden Arzt – in Jena liegt das Verhältnis dagegen bei 77 Einwohnern pro Arzt. 

 

Mit dem Versorgungsauftrag im ambulanten medizinischen Bereich sind die Kassenärztliche und Kassenzahnärztliche Vereinigung betraut. Trotz mehrjähriger intensiver Bemühungen konnte die vorhandene oder unmittelbar drohende medizinischen Unterversorgung im ländlichen Raum nicht verhindert werden. Eine Abwendung oder Linderung dessen kann nur durch ein gemeinsames, konstruktives Handeln aller wesentlichen Akteuren im Gesundheitsbereich und mit Unterstützung des Freistaates erreicht werden.

 

Deshalb ergreift der Saale-Orla-Kreis nun die Initiative und sucht aktiv nach Wegen und Möglichkeiten, um dieser Situation entgegenzuwirken und die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung zukunftssicher aufzustellen. Im Rahmen einer Steuerungsgruppe koordiniert das Landratsamt dafür gerade die Erarbeitung eines „Gesamtkonzeptes Gesundheit“.

 

Pressegespräch am 5. Oktober: Bei einem Pressetermin stellte Landrat Christian Herrgott das „Gesamtkonzept Gesundheit“ zusammen mit Dezernent Frank Jacoby und der Arztlotsin Dr. rer. nat. Isabell Rüdiger öffentlich vor

„Wir sehen die Herausforderungen in der medizinischen Versorgung hier bei uns im Landkreis und nehmen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst. Deshalb schauen wir genau hin, bringen die relevanten Akteure zusammen und arbeiten gemeinsam an konkreten Lösungen für die Menschen hier vor Ort“, erklärt Landrat Christian Herrgott bei der Vorstellung des Konzepts.

 

Kreisverwaltung und Steuerungsgruppe entwickelt gemeinsam einen Maßnahmenplan

 

Seite Ende 2025 bringen sich Vertreter aus allen relevanten Gesundheitsbereichen sowie fraktionsübergreifend auch Kreistagsmitglieder hierbei mit ein und entwickeln Lösungsansätze, um eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung langfristig zu gewährleisten. Der Landkreis verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz, bei der die stationäre wie auch die ambulante Versorgung ebenso betrachtet werden, wie zum Beispiel moderne Lösungen durch Telemedizin und Digitalisierung. „Wir wollen ganz bewusst alle Bereich in den Blick nehmen, um möglichst umfassende Lösungen zu entwickeln. Dabei spielen natürlich auch Prävention und Gesundheitsförderung eine große Rolle“, erklärt Frank Jacoby, Dezernent für Jugend, Soziales und Gesundheit im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises. Für die Themen Pflege und Seniorenbetreuung wird es im kommenden Jahr eine separate Betrachtung geben.

 

Aktuell liegt der Fokus darauf, im Landkreis mit gezielten Maßnahmen ein Umfeld zu schaffen, das die stark ländlich geprägte Region für die Ansiedlung von Ärzten attraktiv macht. Trotz einer derzeit noch funktionierenden Versorgungsstruktur verdeutlichen zehn unbesetzte Hausarztsitze den bestehenden Handlungsbedarf. Im fachärztlichen und zahnärztlichen Bereich zeigen sich bereits jetzt Engpässe.

 

„Für die Vergabe von Vertragsarztsitzen sowie die Zuordnung von Arztstellen ist in Thüringen die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen zuständig. Wir wollen mit unserem Konzept und der Schaffung von attraktiven, modernen Strukturen dabei helfen, dass junge Ärztinnen und Ärzte sich dafür begeistern können, eine Praxis oder ein Anstellungsverhältnis im Saale-Orla-Kreis zu übernehmen“, berichtet Dr. rer. nat. Isabell Rüdiger. Sie ist seit Mai dieses Jahres als Arztlotsin tätig – ein erster Baustein aus dem „Gesamtkonzept Gesundheit“, der bereits umgesetzt wurde. Sie begleitet den Gesamtprozess des Gesundheitskonzeptes fachlich und organisatorisch.

 

Kommunales MVZ in der Prüfung

 

Als weiterer Schritt wird aktuell die Einrichtung eines kommunalen MVZ, das heißt eines Medizinischen Versorgungszentrums in Trägerschaft des Landkreises geprüft. Gegenüber einer eigenen Praxis bietet ein MVZ Ärztinnen und Ärzten erhebliche Vorteile, wie zum Beispiel planbare Arbeitszeiten, finanzielle Sicherheit und die Befreiung von administrativen Lasten. „Gerade für die jüngere Generation, die neben dem Beruf eine Familie gründen wollen oder gegründet haben, ist dieses Modell sehr attraktiv und kann dazu beitragen, dass Mediziner sich eine berufliche und persönliche Zukunft im Saale-Orla-Kreis vorstellen können“, begründet Landrat Christian Herrgott die Pläne. In einer Machbarkeitsstudie werden gerade der tatsächliche Bedarf, die rechtliche und organisatorische Umsetzbarkeit sowie die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines solchen Modells für den Saale-Orla-Kreis geprüft. 

 

„Wir wollen im Saale-Orla-Kreis bei diesem wichtigen Thema künftig vor der Welle sein, darum handeln wir mit dem Gesamtkonzept Gesundheit jetzt aktiv und setzen dort an, wo wir gemeinsam Handlungsmöglichkeiten erkennen“, resümiert Landrat Christian Herrgott die Bestrebungen des Landkreises und der Steuerungsgruppe.

 

Julia Weiß

Pressestelle

Landratsamt Saale-Orla-Kreis

Tel: +49 3663 488-208

E-Mail: pressestelle@lrasok.thueringen.de

Web: www.saale-orla-kreis.de

 

Titelbild: In der Steuerungsgruppe arbeiten verschiedene Akteure, darunter Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Vertreter aus allen relevanten Gesundheitsbereichen sowie aus dem Kreistag zusammen mit dem Landratsamt am „Gesamtkonzept Gesundheit“.

Bilderquelle: LRA-SOK

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