Wie viel Demokratie halten die Befürworter der Windindustrie eigentlich aus?

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Mario Schürner, Bürgerinitiative Naturfreunde Gefell/Hirschberg – proVOGTLANDschaft

 

Die angekündigte Pro-Windkraft-Demonstration in Tanna hat nach unserer Beobachtung keinen erkennbar breiten Zuspruch in der Bevölkerung gefunden. Nach vorliegenden Eindrücken nahmen lediglich rund 25 Personen teil. Eine starke Unterstützung aus den unmittelbar betroffenen Orten war dabei nicht festzustellen.

 

Das wirft eine grundlegende Frage auf: Wie viel Demokratie halten die Befürworter dieser Windindustrieanlagen eigentlich aus? Sind sie bereit, zur Kenntnis zu nehmen, dass viele Menschen vor Ort diese massiven Eingriffe in ihre Heimat nicht wollen? Oder wird der Bürgerwille nur dann akzeptiert, wenn er in das eigene politische Konzept passt?

 

Wer Windindustrieanlagen in Wälder, auf Höhenzüge und in die Nähe gewachsener Dorfgemeinschaften setzen will, muss sich der Realität vor Ort stellen. Diese Realität lautet: Viele Bürgerinnen und Bürger lehnen die Zerstörung ihrer Landschaft, die Rodung von Waldflächen, massive Betonfundamente, Eingriffe in Natur- und Trinkwasserschutzgebiete sowie die Veränderung ihrer Lebensqualität entschieden ab.

 

Hinzu kommt: Die Menschen erleben längst, dass die Energiepolitik nicht nur eine Frage von Ideologie und schönen Schlagworten ist, sondern ganz konkrete Folgen für ihren Alltag hat. Hohe Strom-, Netz- und Systemkosten belasten Familien, Rentner, Mieter und Hauseigentümer. Sie verteuern Lebenshaltung, Wärme, Mobilität und regionale Wertschöpfung.

 

Auch Gastronomie, Handwerk, Gewerbe und Mittelstand spüren diese Entwicklung unmittelbar. Jeder Euro, der zusätzlich für Energie, Netzentgelte, Umlagen, Baukosten oder Betriebskosten ausgegeben werden muss, fehlt für Investitionen, Ausbildung, Arbeitsplätze und faire Preise. Für kleine Betriebe vor Ort geht es nicht um abstrakte Klimaziele, sondern um Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliches Überleben.

 

Selbst die Gemeinden sind betroffen. Steigende Baupreise, höhere Betriebskosten für kommunale Gebäude, Straßenbeleuchtung, Wasser, Abwasser, Schulen, Kindergärten, Sportstätten und Feuerwehrhäuser treffen am Ende wieder die Bürgerinnen und Bürger – über Gebühren, Abgaben, Steuern oder gekürzte freiwillige Leistungen.

 

Vor diesem Hintergrund ist es umso bemerkenswerter, wenn Befürworter den Ausbau der Windindustrie als reine Erfolgsgeschichte verkaufen wollen. Die Realität ist deutlich komplexer: Landschaftszerstörung vor Ort, Belastungen für Natur und Bürger einerseits – und weiterhin hohe Energie- und Systemkosten andererseits.

 

Die geringe Resonanz auf die Pro-Windkraft-Demonstration sollte den Befürwortern deshalb Anlass zur Selbstreflexion geben. Wie viel ehrliche Auseinandersetzung sind sie bereit zu führen? Wie viel Kritik aus der Bevölkerung lassen sie gelten? Und wann erkennen sie an, dass Widerstand gegen diese Projekte nicht von „ein paar Einzelnen“ getragen wird, sondern Ausdruck einer tiefen Sorge vieler Menschen um ihre Heimat, ihre Lebensqualität und ihre wirtschaftliche Zukunft ist?

 

Aus unserer Sicht bestätigt dieses schwache öffentliche Echo die Arbeit der Bürgerinitiativen. Die Bürgerinitiativen sprechen aus, was viele Menschen im Landkreis denken: Diese Windindustrieanlagen werden vor Ort in dieser Form nicht gewollt.

 

Es geht nicht um Fortschrittsfeindlichkeit. Es geht um Heimat, Wald, Landschaft, Trinkwasser, Artenschutz, Lebensqualität, bezahlbare Energie, regionale Wirtschaftskraft und demokratische Mitbestimmung. Wer diese Sorgen ignoriert oder kleinredet, handelt nicht bürgernah, sondern überheblich.

 

Deshalb bleibt unsere Botschaft klar: Die betroffene Bevölkerung darf nicht übergangen werden. Die Menschen vor Ort haben ein Recht darauf, dass ihre Einwände ernst genommen werden. Demokratie bedeutet nicht, den Bürgerwillen so lange umzudeuten, bis er zur Planung passt.

 

Unter der Bezeichnung „Mitmachricht“ veröffentlichen wir die uns zugesandten Beiträge. Die Inhalte spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider, die Angaben erfolgen ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit.

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