Interview mit Yvonne Mützel – Verwaltungschefin der Verwaltungsgemeinschaft Schiefergebirge – Nach 100 Tagen im Amt!

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von Brigitte Richter

 

Nun sind die ersten hundert Tage überstanden, liebe Frau Mützel.

Wir spielen heute mal ein bisschen Journalismus, wie in der großen Politik.

Die ersten 100 Tage sollen ja prägend sein, für Sie selbst und für die Gemeinden, für die Sie als Verwaltungschefin den Hut auf haben.

 

1.       Wie geht es Ihnen damit?

 

Rückblickend waren die ersten 100 Tage geprägt von intensivem Beobachten, Analysieren und Lernen, zahlreichen Begegnungen und der Verantwortung, wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen.

Zunächst galt es, ein umfassendes Bild der aktuellen Situation innerhalb der VG zu gewinnen. Ein besonderer Schwerpunkt lag darauf, die Verwaltungsstrukturen nicht nur kennenzulernen, sondern auch kritisch zu hinterfragen. Mein Ziel ist es, nach und nach effizientere Abläufe zu schaffen und die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung weiter zu stärken.

In vielen Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konnte ich wertvolle Einblicke gewinnen und zugleich das große Engagement erkennen, das tagtäglich geleistet wird.

Gleichzeitig wurde ich aber auch mit personellen Herausforderungen konfrontiert. Offene Stellen und eine hohe Arbeitsbelastung in den einzelnen Bereichen verlangen nach Umstrukturierungen, klaren Entscheidungen und nachhaltigen Lösungen. Hier gilt es, unsere Verwaltung zukunftsfähig aufzustellen und als attraktive Arbeitgeberin nach außen zu positionieren.

 

2.       Sind schon Veränderungen zur vorherigen Verwaltungsarbeit zu erkennen?

 

Erste Anpassungen der internen Abläufe zeigen, dass durch klare Zuständigkeiten und optimierte Prozesse eine Entlastung in verschiedenen Bereichen erreicht werden kann. Dieser Weg wird in den kommenden Monaten konsequent weiterverfolgt werden.

 

3.       Wie klappt die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Ihrer neuen Wirkungsstätte?

 

Die Zusammenarbeit war von Beginn an sehr positiv und konstruktiv. Ich wurde offen und freundlich aufgenommen, was den Einstieg in meine neue Aufgabe erheblich erleichtert hat. Besonders schätze ich die hohe fachliche Kompetenz sowie das große Engagement, das ich in allen Bereichen wahrnehme. Die Kolleginnen und Kollegen bringen nicht nur wertvolle Erfahrung mit, sondern auch die Bereitschaft, Veränderungen aktiv mitzugestalten.

 

4.       Haben Sie heute konkrete Vorstellungen, die Infrastruktur in Ihrem Verwaltungsbereich zu verändern? Dabei denke ich an Verkehrsanbindungen, und besonders die Mobilität älterer Menschen.

 

Ich sehe großen Handlungsbedarf im Bereich der Infrastruktur, insbesondere bei Verkehrsanbindungen und der Mobilität älterer Menschen. Allerdings müssen wir realistisch bleiben: Die Kommunen sind seit Jahren strukturell unterfinanziert. Eigene Gestaltungsspielräume sind dadurch stark eingeschränkt. Konkrete Veränderungen oder gar umfassende Konzepte lassen sich unter diesen Bedingungen kaum aus eigener Kraft umsetzen. Viele notwendige Maßnahmen, etwa der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, flexible Mobilitätsangebote im ländlichen Raum oder barrierearme Lösungen für ältere Bürgerinnen und Bürger, sind ausschließlich mit Hilfe von Fördermitteln realisierbar. Das führt dazu, dass wir weniger strategisch planen können, sondern uns oft an den jeweils verfügbaren Förderprogrammen orientieren müssen. Eine nachhaltige und bedarfsgerechte Infrastrukturentwicklung wird dadurch erheblich erschwert.

 

Unser Ziel bleibt es dennoch, die Mobilität für alle Generationen zu verbessern. Dafür brauchen die Kommunen jedoch eine verlässliche finanzielle Ausstattung sowie mehr Eigenverantwortung bei der Umsetzung von Projekten – nicht nur punktuelle Förderung.

 

5.       Sie nannten in unserem Interview am 8. Januar, dass Sie die Digitalisierung vorantreiben wollen, den Tourismus verbessern möchten und eine gute Lebensqualität Ihrer 6000 zu verwaltenden Bürger verbessern werden.

Gibt es da schon Ergebnisse? Und wie sieht es mit finanziellen Zuwendungen aus, denn daran wird sicherlich so dies und jenes scheitern?

 

Im Bereich der Digitalisierung konnten wir bereits erste konkrete Fortschritte erzielen. So wurde in der letzten Gemeinschaftsversammlung am 09.04.2026 als erstes Projekt ein digitales Rats- und Bürgerinformationssystem auf den Weg gebracht, das künftig über die Internetseite der Verwaltungsgemeinschaft zugänglich sein wird. Damit schaffen wir mehr Transparenz und erleichtern den Zugang zu wichtigen Informationen und Entscheidungsprozessen.

 

Darüber hinaus arbeiten wir aktuell an der Neugestaltung unserer Internetseite, die in den nächsten Wochen online gehen wird. Ziel ist eine deutlich bessere Übersichtlichkeit sowie die Bereitstellung zusätzlicher digitaler Formulare, um Verwaltungsabläufe für die Bürgerinnen und Bürger einfacher und effizienter zu gestalten.

 

Im Bereich Tourismus soll die Verwaltung personell neu aufgestellt werden, um sie zukunftsfähiger auszurichten. Hierzu befinde ich mich aktuell in enger Abstimmung mit den drei Bürgermeistern, um die konkreten Bedarfe zu ermitteln.

 

Was die finanziellen Rahmenbedingungen betrifft, ist es richtig, dass viele Vorhaben von entsprechenden Fördermitteln abhängen. Daher stehen wir in engem Austausch mit Fördergebern auf Landes- und Bundesebene und prüfen fortlaufend passende Programme. Unser Ziel bleibt es, die VG Schiefergebirge zukunftsfähig aufzustellen und die Lebensqualität vor Ort kontinuierlich zu verbessern.

 

6.       Halten Sie noch Kontakt zu den „altenKolleginnen und Kollegen in Remptendorf?

 

Ja, ich pflege nach wie vor freundlichen und kollegialen Kontakt zu den ehemaligen Kolleginnen und Kollegen in Remptendorf. Auch wenn sich unsere Wege beruflich verändert haben, ist der Austausch weiterhin wertvoll, um Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen.

 

7.       Kommt auch Ihre Familie nicht zu kurz, da Sie ja jetzt sicherlich noch mehr unterwegs sind, als seinerzeit als Hauptamtsleiterin in der Gemeinde Remptendorf?

 

Meine Familie hat natürlich weiterhin einen hohen Stellenwert für mich. Es stimmt, dass die Aufgaben als Gemeinschaftsvorsitzende umfangreicher sind und auch mehr Termine mit sich bringen. Ich versuche, Berufliches und Privates gut zu organisieren. Ich sehe es als Bereicherung, dass meine Familie und vor allem mein Mann Verständnis für die kommunalpolitische Arbeit aufbringen und mich in meinem Engagement begleiten und unterstützen.

 

8.       Werden die Sprechzeiten in Ihren Büros von den Bürgern gut genutzt?

 

Ja, die Sprechzeiten in unseren Büros werden sehr gut angenommen. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzen die Gelegenheit, um persönliche Anliegen direkt zu besprechen oder Informationen aus erster Hand zu erhalten. Für mich ist es wichtig, dass wir als Verwaltung transparent und erreichbar sind, daher legen wir großen Wert auf gut abgestimmte Sprechzeiten der Bürgerbüros in Gräfenthal und Lehesten und der Hauptverwaltung in Probstzella, um eine durchgängige Erreichbarkeit zu gewährleisten.

 

9.       Worin sehen Sie ihre Prioritäten in Ihrer weiteren Arbeit als Verwaltungsleiterin?

 

Meine Prioritäten liegen vor allem darin, die Verwaltung neu zu strukturieren und die inneren Abläufe effizienter zu gestalten. Dabei ist es mir besonders wichtig, ein gutes Arbeitsklima zu fördern und die Zufriedenheit der Beschäftigten am Arbeitsplatz zu stärken.

Gleichzeitig sehe ich die Notwendigkeit, das Image unserer Verwaltung nach außen zu verbessern, da in der Vergangenheit nicht immer alle Abläufe als effizient oder bürgernah wahrgenommen wurden.

 

Ein weiterer Schwerpunkt ist die verlässliche Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern sowie den Stadt- und Gemeinderäten. Hier gibt es bereits gute Ansätze, aber auch noch Luft nach oben, weshalb wir den regelmäßigen Austausch und eine offene Kommunikation weiter intensivieren müssen.

 

10.     Wie ist die Zusammenarbeit mit den einzelnen Gemeinden in Ihrem Verwaltungsbereich und mit dem Landratsamt SLF/RU?

 

Die Zusammenarbeit mit den einzelnen Gemeinden läuft konstruktiv. Wir pflegen einen regelmäßigen Austausch, besprechen Projekte gemeinsam und stimmen Entscheidungen ab.

 

Auch die Kooperation mit dem Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt ist eng und vertrauensvoll. Dort erhalten wir wertvolle Unterstützung. Insgesamt sehe ich die Zusammenarbeit als partnerschaftlich und lösungsorientiert.

 

 

Vielen Dank, liebe Frau Mützel, für Ihre Zeit, die Sie mir heute für das Interview geopfert haben. Wir von Hallooberland wünschen Ihnen weiterhin Gesundheit, Durchhaltevermögen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf die Sie sich zu 100 Prozent verlassen können.

 

Unser Angebot: Wenn Sie als VG etwas veröffentlichen wollen, dann sind wir als Hallooberland Team gerne dazu bereit. Unsere Leser werden immer mehr und die Reichweite hat sich enorm ausgebreitet.

Und das Beste, es ist für Sie kostenlos!

Titelbild: Y. Mützel

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