von Brigitte Richter
Liebe Leser von Hallooberland,
heute habe ich in dem alten Buch von 1925 eine Geschichte gefunden, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Ja, ich tu mir das jetzt an und schreibe sie ein Stück weit für euch ab. Stellt euch drauf ein, euch etwas mehr Zeit zum Lesen zu nehmen:
Mundartliches aus Eliasbrunn
Eliasbrunn ist nicht nur Wasserscheide und Grenze mancher Pflanzen die im Frankenwalde wachsen und bis hierher reichen, sondern auch jetzt noch eine Scheide für manche Dialektbezeichnungen. Unser Dialekt ist von dem des nur 7 Minuten entfernten Dorfes Oberlemnitz auffallend verschieden.
Die Tage der Woche werden Sunntig, Maantig, Dennstig, Meetwoch, Dunnerschtig, Freitig und Sunnahmd genannt.
Für Januar sagt groß und klein Janjahr.
Im Erfinden von Kosenamen für ihre Kinder haben es die Mütter weit gebracht. Da hört man Iddale, Martale und Martel, Liesla, Nitl für Anita , Lene, Line, Tine, Teine, Ricke und Rieke, Male, Liebe für Christliebe die Mädchen rufen, und mit Ernstla, Heinerle und Heinerich, Bertel (Adalbert) , Ottel, Kurtle, Vit für David und Levit die Buben zurecht weisen.
Die Schimpfnamen sind stark vertreten und recht derb. Von ihnen wollen wir nur Kurich für Chor und Grienitz nennen. Einen Holzdieb nennt man Gieberfärschter.
Manche Tiernamen haben manch eigenartige Bezeichnungen. Die Wasserjungfer heißt Otterngimpferle, der Salamender Vierlisgebeen, das Marienkäferle Greinvöggele.
Haustiere bezeichnet man mit Seie, Pfahr, Hinde (Mehrzahl für Hunde). Man sagt Fusch (Einzahl für Fisch)
Weiter redet man Hoos, Igel, Schoof, Zeeg, Anten. Sonstige Benennungen aus der unteren Tierwelt: Blindschleef, Muck, Schnack, Mushummel, Webis (Wespe), Braam, Sieghams (Ameise), Spiennwieb (Spinnengewebe) wie der Webstuhl auch Wieb genannt wird, Heeschnack (Heupferd), Sperk, Gaahlhammerig (Goldhämmerling), Krooh, Bachstalz – erstes a dumpf, zweiter a hell gesprochen.
Der Kohlweißling heit der Krautsch..ßer.
So spricht man Eechharnle, Egel (Igel), Wiesla (Wiesel), Schwoob (Küchenschabe) .
Auch die Fische haben ihre Sondernamen. Man redet vom Schleimer, von der Fuurel (Forelle), vom Schmierl und vom Kaares (Karausche).
Rufnamen für Haustiere sind folgende: Ziegen: Haddele haddele, Schaf: Suckele suckele, Katz: Zierle zierle, Gans: Wusel wusellaa, Ente: Biele bile und wiele wiele, Hühner: Put put putt, Kücken: ziep ziep ziep.
Recht sonderbare Namen hat man den Pflanzen gegeben. Der Löwenzahn heißt Pappelstock, Braunwurz Dogelatsch, Otterzungen nennt man den Knöterich, Knörrkraut die fette Henne, während man die Hundskamille Bitterstock nennt. Für den Krautstrunk sagt man Duurschen. Mit Kickerhahnle (a hoch gesprochen) benennt man die Vogelwicke, mit Giftglocken den Fingerhut.
Die Pelargonie kennt man nur unter dem Namen Stinkbloot, die Fuchsie unter Glockenstock. Auf dem Acker steht das Getree, Garscht un Weezen, auch Reebsen, Ardepfel, Killeriehm (Kohlrüben) und Kiel, im Garten Kohrabbeln (Kohlrabi), gaale Riem (Möhren) und Grooslich (Schnittlauch)
(Wörtlich abgeschrieben von Brigitte Richter)
Einfügen Foto aus dem Text.
Ich bin eine absolute Leseratte, aber bei diesem Text musste die Lupe wieder herhalten, um alles Buchstabe für Buchstabe so abzuschreiben, wie es der Verfasser von damals niedergeschrieben hat.
Dankbarkeit empfinde ich, das alles heute noch erfahren zu dürfen. Ich würde mir wünschen, dass die heutigen Heimatjahrbücher für meine Nachkommen einmal sehr interessant sein werden.
Auch in meinem kleinen Thierbach wurde früher Mundart gesprochen.
Meine Mutter sagte mal zu mir:
„Gieh mal ninter, hinter de Schein, und hul de Ruwell!“
Übersetzt: Geh mal hinter die Scheune und hole die Schubkarre.
Meine Generation versteht das noch, aber wenn es nicht weiter gegeben wird, dann verschwinden die Mundarten sehr bald. Und Anglizismen ersetzen vielleicht dieses – unser – Kulturgut.





