Wörtlich abgeschrieben von Brigitte Richter
Heinz Erhard sagte einmal: „Und noch ein Gedicht!“ Ich sage euch, liebe Leser von Hallooberland:
„Und noch eine Geschichte“ aus dem Heimatjahrbuch von 1925
Der fürstliche Park in Ebersdorf
Wenn der schwäbische Dichter Ludwig Uhland im „Lied der Armen“ singt:
Der Reichen Gärten sah ich blühn,
ich sah die goldne Saat;
mein ist der unfruchtbare Weg,
den Sorg‘ und Mühe tat.
so haben alle diejenigen in Ebersdorf, die eines eigenen Gartens entbehren, zu solcher Klage keinerlei Grund. Wenn der Frühling nach hartem Winter ins Land zieht, so begegnet man ihm am wunderbarsten mit seinem sprossenden Grün, mit seinen zarten Vogelstimmen und mit seinem plätschernden Wasser im fürstlichen Park. Lastet des Sommers Hitze und Glut auf Straßen und in den Häusern, dann spendet der Park mit seinen ehrwürdigen Bäumen kühlen und erquickenden Schatten. Wenn die Stürme des Herbstes brausen und toben, dann findet man dort auch wiederum Schutz und Schirm, und wenn der Winter mit Schnee- und Eiskristallen seine Kunst entfaltet, dann gleicht der Park einer bezaubernden Märchenwelt.
Zu jeder Jahreszeit also ladet er ein und ruft: „Oh komm zu mir!“
Und nicht vergebens ist sein Ruf ertönt.
Fleißig wird der Park besucht von Einheimischen und Fremden, und viel fremde Gäste kehren, voll des Lobes über den Park, der in seiner Anlage der Natur abgelauscht ist, in ihre Heimat zurück. So konnte auch ein Sommergast, der viele Wochen in Ebersdorf zur Erholung weilte, die Schönheit des Parks nicht genug rühmen, wenn er sagte: „Ich habe die berühmtesten, größten und schönsten deutschen Parks kennen gelernt; viele von ihnen sind weit großartiger und kunstvoller angelegt, aber ich weiß keinen, der mir besser gefiel und mein Gemüt wohltuender anspräche, als der Ebersdorfer, der durch seine ungekünstelte, der Natur mit feinem Verständnis abgelauschte Anlage, durch seine lieblichen Wechsel von Tal und Hügel, Wiese und Wald, dunkles Nadel- und in mannigfaltigen Farbentönen und Formen prangendes Laubholz jedes für die schlichte und doch so wunderbare Herrlichkeit der Natur empfängliche Gemüt entzücken muss.“
Wie ein grüner Hag erstreckt sich der Park südlich und westlich vom Schloss in großer Ausdehnung und reich an wechselvoller Gestaltung. Werke der Allmacht und Menschenhand liegen hier dicht beieinander. Wohlgepflegte Wege führen den Naturfreund bald durch das Wiesental des schlangenförmig gewundenen Friesaubaches, bald durch Laub- und Nadelwald und nur verstohlen durchdringt der Zweige Gitter das lachende Blau des Himmels. Friedlich und feierlich ist‘s hier, und man fühlt sich weit entrückt vom hastigen Getriebe der Welt. Ruhebänke, überschattet von Bäumen und hängendem Gebüsch, laden zum Sichverweilen ein, und von jeder Bank aus bietet sich dem Auge immer wieder ein anderes, eigenartiges Bild.
Eine besondere Schönheit des Parks ist der im westlichen Teile gelegene und vom Walde umrahmte Pfotenteich mit seinen zierlichen Schlinggewächsen und zahlreichen Seerosen, deren schwimmende Blätter sich auf dem Wasserspiegel ausbreiten und deren zarte Blüten einen geheimnisvollen Zauber ausüben.
Beim Anblick dieser schönen Wasserpflanze wird man unwillkürlich an alte Sagen und Märchen erinnert und im Geiste sieht man auf den breiten Blättern die Elfen und Nymphen schaukeln, während unter ihnen die Nixe lauert, um denjenigen in die Tiefe zu ziehen, der es wagt, die herrliche Blüte zu brechen.
Dort am Pfotenteich steht auch das von wildem Wein umwucherte Teichhäuschen.

In dem südlichen Teil des Parks stößt der Wanderer auf das „Gotische Häuschen“ und ferner auf das „Teehäuschen“, das sich unter dem Dach herrlicher Buchen, einem Gartenhause gleich, auf einer Anhöhe erhebt.
Heraus tretend aus dem Schatten der Alleen und Baumgruppen und dem Gebüsch, welches den Pfad engt, überblickt man weite Wiesenflächen, die im Frühjahr und Sommer in wechselvollen Blumenfarben erglänzen.
Fürwahr! Ein schönes Plätzchen, dieser Park!
„Nur Stille nah und fern!“
Wer Sinn hat für die Wunderwerke und feierliche Schönheit der Natur, der findet hier reiche Befriedigung.
Meine eigenen Gefühle dazu: Die herrliche, romantische Sprache von damals, das Empfinden von Naturschönheit, berühren mich sehr. Ich war schon viele Male im Ebersdorfer Park und werde noch viele Male dort spazieren gehen, weil es einfach das Gemüt anspricht, innere Ruhe bringt und den Kopf von trüben Gedanken befreit.
Zum „Tag der offenen Gärten“ gibt es auch Führungen in diesem Park, die für jeden Garten- und Naturfreund ein wunderbares Erlebnis sein können.
Diese Termine, liebe Leser, werden auch bei Hallooberland bekannt gegeben.





