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Brigitte Richter (Thierbach)
 

Mich fasziniert und fesselt immer noch das alte Heimatjahrbuch von 1925, aus welchem ich für euch vorige Woche schon eine Geschichte abgeschrieben habe.

Heute fand ich die Bedeutung des Wortes „Hungertuch“!

Mir kam gleich in den Sinn, dass es uns auch bald so gehen könnte, wenn die Sprit- Heizöl und Gaspreise noch weiter steigen, dass wir daran nagen, aber früher hatte es eine andere Bedeutung:

Was ist ein Hungertuch?

Wörtliche Abschrift.

Oft wird der Ausdruck gebraucht „am Hungertuch nagen“ und während des Krieges haben viele Menschen kennengelernt, was es heißt, wenn das Schicksal das Hungertuch aufgehängt hat. So oft die bekannte Redensart aber auch gebraucht wird, nur wenige Menschen wissen, was ein Hungertuch eigentlich ist, und was man sich darunter vorzustellen hat. Es war im frühen Mittelalter, als der kirchliche Brauch aufkam, während der Fastenzeit den gewöhnlich reich mit goldenen und buntfarbigen Zieraten geschmückten Altar mit einem Tuch zu verhüllen, um die ernste Stimmung der Gläubigen nicht durch den Anblick des prunkvollen Schmuckes zu zerstreuen. Dieses Tuch nun, das aus weißer, grauer oder violetter Leinwand  hergestellt und mit Bildern aus der Leidensgeschichte Christi, oder auch nur mit großen schwarzen Kreuzen bemalt oder bestickt war, hieß das Hungertuch; denn es deutete, dass man der Fastenzeit gedenke, die jede reichliche Mahlzeit streng verbot.

Gleichzeitig sollte der Anblick der auf dem Tuch dargestellten Leidensstationen des Herrn zur Buße anregen.

Nur an den Sonntagen oder einigen Feiertagen wurde das Tuch entfernt. Der Brauch, Hungertücher aufzuhängen, der schon in Schriften des 9. Jahrhunderts erwähnt wird,  hat sich in einigen wenigen Kirchen – so in den Domen von Trient und Paris, wie auch in der Lambertuskirche zu Münster – bis in die neueste Zeit erhalten.

In Museen kann man auch alte Hungertücher aufbewahrt sehen. Das Dresden Altertumsmuseum z.B. besitzt ein schönes Hungertuch aus dem Jahre 1472, das mit mehr als 100 Bildern aus der biblischen Geschichte bestickt ist, außerdem auch Tücher aus dem 15. Und 17. Jahrhundert.

Nun wieder meine Gedanken:

Das alles ist Geschichtswissen, das nicht verloren gehen sollte.

Das einfache Volk sollte immer schon klein gehalten werden, sollte glauben, was die Kirche und die Mächtigen im Sinn hatten.

Ich mache mir so meine Gedanken, was in hundert Jahren wohl in den Büchern stehen wird, über unsere jetzige Zeit:

Vielleicht: Sie holzten die Wälder ab, stellten Windräder auf ihre Hügel und Solarplatten auf die Wiesen. Und die Reichen predigten den Armen, dass sie Buße tun sollen, in Bescheidenheit zu arbeiten und zu leben haben, während sie selbst in Völlerei schwelgten.

Alles Andere überlasse ich der Fantasie des Lesers. Beteiligt euch, schreibt eure Gedanken und schickt es an Hallooberland.de. Oder umhüllt euch mit einem (sprichwörtlichen) Hungertuch und steckt, wie der Vogel Strauß, den Kopf in den Sand, mit dem Gedanke: „Ich kann ja eh nix ändern!“

Titelbild: B. Richter

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