Maria Lange – Mörderin ihres Mannes (Fockendorf bei Altenburg, 1689)

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Akte Ostthüringen
Unter der Rubrik „Akte Ostthüringen“ beleuchten wir historische Mord- und Kriminalfälle, die sich in Ostthüringen zugetragen haben. Seien Sie deshalb vorgewarnt, die Inhalte sind nicht jugendfrei.
Dieser Fall wird beschrieben von Historiker Michael Kirchschlager aus Arnstadt.
Dieser Fall wird ausführlich in dem Buch „Mörder / Räuber / Menschenfresser“ behandelt.

Am 2. Juli 1689 ging der Müller Thomas Lange gesund und vergnügt zu Bett. Am anderen Morgen fand man ihn in einer kleinen Kammer erhängt. Er hatte mit Maria Lange in einer mißvergnügten Ehe gelebt. Marias Liebhaber, der Mühlenknecht Martin Müller, der seit geraumer Zeit auf der Mühle nicht mehr diente, war kurz vorher dort gesehen worden. Die Stellung des Erhängten ließ nicht auf Selbsttötung schließen. Maria Lange und Martin Müller wurden zur gefänglichen Haft gebracht.

Maria gestand sogleich: Ihr Mann, der sonst ein ganz guter Mann war, habe sich beständig übel gegen sie gezeigt, daher war sie ihm nur vier Jahre treu geblieben, und hatte mit drei Mühlknechten, besonders aber mit dem Mitgefangenen Martin Müller unzählige Mal Unzucht getrieben. Bei der Gelegenheit hätten sie sich oft sehnlichst gewünscht, daß der alte Müller sterben möchte. Zu Weihnachten 1688 sei Müller von der Mühle weggezogen und habe anderswo als Mühlknecht gedient. Die ganze Zeit über, als er auf der Mühle war, sei ihnen der Gedanke, ihren Mann umzubringen, nicht eingefallen, aber am 29. Juni hätten sie sich wie von ungefähr in Altenburg getroffen und wären zusammen in den Weinkeller gegangen. Wie sie sich über ihren Mann beschwerte, habe ihr Müller den Vorschlag unterbreitet, ihren Mann, weil er fest schlief, im Bett zu erwürgen und ihn dann hinzuhängen, als hätte er sich selbst erhängt.

Maria Lange kaufte sich einen neuen Strick und desselben Abends um zehn Uhr fand sich Martin Müller im Garten ein. Da aber Mühlgäste in der Mühle waren, sagte sie ihm, daß es diese Nacht nicht ginge. Sie vermischten sich darauf dreimal fleischlich und beschlossen, die Mordtat am 3. Juli zu vollbringen. Müller führte an, daß es keine Sünde sei, hätte doch Judith dem Holofernes auch den Kopf abgeschlagen*. Sie wollten es daher in Gottes Namen tun. Am verabredeten Abend kam Müller wieder in den Garten und brachte einen Strick mit. Die Lange ging herauf, um zu sehen, ob ihr Mann schlief. Wie sie sich davon vergewissert hatte, kam sie wieder in den Garten. Hier versprachen sich beide die Ehe und beschlossen nun den Mord in Gottes Namen zu vollbringen.

Sie gingen in die Kammer des schlafenden Müllers. Die Frau ging zuerst hinein, legte sich ins Bett, und mit dem rechten Arm, in dem sie ein Ende des Stricks hatte, umfing sie ihren Mann. Nun legte sie ihm den Strick um den Hals. Wie er sich regte, umarmte sie ihn zärtlich, zog mit Zurücklassung des Stricks ihren Arm zurück und schlug die beiden Enden übereinander. Der in die Kammer hereintretende Martin Müller faßte das eine Ende und sie das andere an. Hierauf zogen sie zu. Der Müller Lange verschied ohne Zuckungen und verlor bloß ein paar Tropfen Blut aus der Nase. Nach dieser Tat zündete die Lange Licht an. Sie trugen den Körper des Ermordeten in eine andere Kammer und hingen ihn auf. Beide kehrten in die Kammer, wo sie den Mord verrichtet hatten, zurück, und vermischten sich fleischlich.

Die Mörderin Maria Lange meinte übrigens, da sie von ihrem Mann immer übel behandelt worden war, hätte sie kein großes Unrecht getan, sondern ihn nur wie ein Tier behandelt. Martin Müller wurde von unten auf gerädert, Maria Lange gesäckt. Die Säckung – das Ertränken in einem Sack – war die Strafe für Gatten- und Kindesmörderinnen.

*Holofernes, Feldhauptmann des Assyrerkönigs Nebukadnezar, unterwirft in einem großen Feldzug zahlreiche Völker. Schließlich steht er mit seinen Truppen vor der jüdischen Stadt Bethulia. Die schöne Witwe Judith geht zu ihm und nach einem ausgelassenen Gastmahl, bei dem sich Holofernes der Trunkenheit hingibt, schlägt sie ihm den Kopf ab. Als die Assyrer sehen, daß ihr Hauptmann ermordet wurde, stürzen sie in Verzweiflung und werden zu einem Großteil von den Israeliten erschlagen.

Über den Autor: Michael Kirchschlager ist Diplom-Historiker, Autor und Verleger. Sein Verlag Kirchschlager hat sich auf Sachbücher zur Kriminal- und Rechtsgeschichte spezialisiert. Neben Sachbüchern, Quellen- und Textsammlungen gibt Kirchschlager die Bibliothek des Grauens, Kirchschlagers Criminal- & Curiositäten-Cabinett, die Historische Kriminal-Bibliothek sowie das Online-Magazin Kriminalia.de heraus.

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