Eine Hinrichtung in Oßla (1707)

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Akte Ostthüringen
Unter der Rubrik „Akte Ostthüringen“ beleuchten wir historische Mord- und Kriminalfälle, die sich in Ostthüringen zugetragen haben. Seien Sie deshalb vorgewarnt, die Inhalte sind nicht jugendfrei.
Diesen Fall beschreibt der Heimatforscher und Historiker Alexander Blöthner.

Bereits im Mittelalter existierte in Oßla ein Hochgericht über Hals und Hand. Wahrscheinlich nach dem Aussterben der örtlichen Grundherrenfamilie und dem anschließenden Anheimfall an die Landesherrschaft verkaufte diese es zusammen mit dem örtlichen Rittergut im Jahre 1497 an den gefürsteten Abt von Saalfeld. »Anno 1507 ist in Oßla das Gericht hinter dem Kirchhof gehalten worden, ist eine ledige Weibsperson oder Jungfer enthauptet worden.«1 Nach 1519 gingen die Grundherrschaft Oßla an einen Zweig der im Oberland reich begüterten Herren von Watzdorf über.

»Anno 1707 am Tage Laurentius geschahe das Gericht unter Oßla und wurde abermals uf das Neue bestätigt wie folget: Es wurde Peter Keim aus Oßla mit dem Schwerdt enthauptet, ingleichen Hans Müllers Eheweib in der Knauers Mühle. Die hatten eine Mordthat in der gedachten Knauers Mühl, beide mit einander begangen indem sie Johann Haßen aus Rettersdorff, einen ledigen Junggesellen und Schieferdecker, auch in andern lobwürdigen Künsten erfahren[en] Menschen, jämmerlich ermordet und umgebracht. Dewegen diesen beyden Mördern oder Verbrechern in der Anzahl vieler tausend Menschen, die solches gesehen und zugegen gewesen, ihnen öffentlich dieser Lohn ertheilet worden, daß sie jämmerlich mit dem Schwert enthauptet. Liegen beyde in einem Grab auf dem Kirchhof zu Oßla begraben, sind die Särge auf einander gesetzet.«2

Ein an der nördlichen Seite der Hauptstraße, fast in der Ortsmitte stehendes schmuckloses Steinkreuz ohne Inschrift, wird mit diesem Hochgericht [nach anderer Deutung mit einem Wallfahrtsweg] in Verbindung gebracht. Nach dem Aussterben der Herren von Watzdorf aus Oßla und Wurzbach [1750] fiel das Oßlaer Gericht der reußischen Landesherrschaft anheim, und hatte mit dem Gericht vom Wurzbach gleiches Geschick. Dessen Gerichtspflege verfügte bis 1778 über einen besonderen Richter, »wurde dann von da bis 1824 dem Justizamtmanne zu Ebersdorf, der monatlich einmal hier für die Patrimonialorte Gericht hielt, übertragen, und endlich 1824 mit dem Justizamte zu Lobenstein vereinigt.«



1 R. Teicher (Röttersdorf): Was in einer alten Dorfchronik zu lesen ist und was in eine neue zu schreiben wäre, in: Oberland – Blätter für Volkstum und Heimatkunde 1927, Nr. 3, S. 47
2 Ebenda
3 Georg Martin Brückner, Landes- und Volkskunde des Fürstenthums Reuß jüngere Linie, 1870, S. 767, 770f.


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