Eine erschreckliche unerhörte Mordt That in Eliasbrunn

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Akte Ostthüringen
Unter der Rubrik „Akte Ostthüringen“ beleuchten wir historische Mord- und Kriminalfälle, die sich in Ostthüringen zugetragen haben. Seien Sie deshalb vorgewarnt, die Inhalte sind nicht jugendfrei.
Unseren ersten Fall beschreibt der Historiker und Verleger Michael Kirchschlager aus Arnstadt.

Am 28. April 1606 ermordete in Eliasbrunn, welches damals zum Amt Lobenstein gehörte, der Bauer Hans Eisenbeiß seine gesamte Familie und wurde somit zum ersten Familienauslöscher der deutschen Kriminalgeschichte. Der 42jährige Hans Eisenbeiß ermordete zuerst seinen Sohn mit einer Axt, dann die in der Ecke spielenden sechs und sieben Jahre alten Knaben, auf der Treppe sein einziges Töchterchen, oben in der Schlafkammer tötete er seinen anderthalbjährigen Sohn, der in einer Wiege lag, dann den zweitältesten neunjährigen Sohn, im Anschluß seine hochschwangere Frau, die in sechs Wochen ihre nächste Niederkunft zu erwarten hatte, sowie die auf dem Hof dienende Magd, 18 Jahre alt.

Im „Grimm“ eilte Eisenbeiß nun aufs Feld zurück und traf auf den dort ackernden Knecht. Als dieser Eisenbeiß bewaffnet mit der blutüberströmten Axt sah, ahnte er dessen Vorhaben, wehrte ihn ab und floh nach Eliasbrunn.

Auf dem Anwesen des Eisenbeiß entdeckte man mit Entsetzen die Gräueltaten und meldete selbige der Herrschaft in Lobenstein. Der dortige Stadt- und Landrichter bewerkstelligte es gemeinsam mit zahlreichen Freiwilligen, den Mörder in dessen eigenem Wald, dem sogenannten „Geschwendholz“, zu fassen und in Lobenstein einzukerkern.

Hans Eisenbeiß war schon bei seiner Festnahme der grausigen Morde überführt. In seiner Hand hielt er noch immer die blutige Axt.

Der Fall wurde in zwei Büchern aus dem Verlag Kirchschlager veröffentlicht: Exakt nach dem 1. Flugblatt (Urquelle) in: „Das thüringische Obscurum“ von Lothar Bechler und Michael Kirchschlager, und nacherzählt nach Quellen und Literatur in: „Thüringer Mord-Pitaval II“ von Frank Esche.

Während der Verhöre schwieg er beharrlich. Am Mittwoch, dem 30. April 1606, wurde der Mörder nach Eliasbrunn geführt, wo er seine in Särgen liegenden neun Opfer, das Kind im Mutterleib mitgerechnet, berühren mußte. Danach erfolgte die Beerdigung der Leichen auf dem Gottesacker des Dorfes. In Gegenwart vieler Anverwandter der Opfer, Adliger, Geistlicher sowie weltlicher Personen des Amtes und auch des Mörders Hans Eisenbeiß hielt der Ortspfarrer vor etwa 250 Menschen eine bewegende Trauerpredigt.

Am 23. Mai 1606, um 8 Uhr, wurde Hans Eisenbeiß aus dem Turmverlies der Lobensteiner Burg vor das Stadtgericht gezerrt. Ihm sollten seine begangenen Verbrechen und das darüber gesprochene Urteil öffentlich vorgelesen werden. Fürst Heinrich der II. Reuß jüngerer Linie hatte die Begnadigung des neunfachen Mörders zuvor strikt abgelehnt. Der Verurteilte wurde sodann auf einem Wagen, beladen mit einem Kessel brennender Kohlen, Zangen und anderer Folterwerkzeuge sowie einer Kuhhaut, angeschmiedet. Zwei Pferde zogen das Gefährt in Richtung des Dorfes Eliasbrunn. Kurz vor dem Ort hob der Scharfrichter zusammen mit seinem Gesellen den Delinquenten vom Wagen und legte ihn halb nackt auf die Kuhhaut. Daraufhin zogen ihn zwei Ochsen durchs Dorf, über sein Feld, weiter in den Garten bis zu jenem Platz, auf dem sein Gehöft gestanden hatte. Selbiges war zum ewigen Angedenken Tags zuvor niedergerissen worden.

Nach dem schmach- und schmerzvollen Schleifen auf der Kuhhaut wurde Eisenbeiß nun an jedem Ort, wo er seine Missetaten begangen hatte, insgesamt neun Mal – für jedes Mordopfer einmal –, mit einer glühenden Zange gezwickt, bevor ihn der Henker von der Haut nahm und ihn zur Richtstätte geleitete. Sie war eben an der Stelle aufgebaut worden, wo zuvor der Tisch in der Wohnstube stand. Auf dieser zog der Henker den Mörder vor den Augen der Zuschauer vollständig aus, legte ihn nieder und schlug ihm die Hände ab.

„Seine Schenkel wurden mit dem Rade dreimal zerstochen. Wieder hat man ihn auf ein Kreuz, die Fleischbank genannt, gelegt und gebunden, das Herz aus dem Leibe gerissen und dreimal um das Maul geschlagen. Hier hat sich der Mund noch geregt, den man ihn alsdann abgehauen, das Eingeweide aus dem Leibe genommen und den Leib gevierteilt hat. An dem Ort, wo er die Frau ermordet hatte, richtet man ein Rad auf, worauf der Kopf, die Hände nebst der Mordaxt unten an dem Rade angeheftet wurden. Die vier Teile sind auf Wegescheiden an Säulen aufgehängt worden. Das Herz und die Eingeweide hat der Henker draußen vor dem Dorfe auf dem Gemeindeplatz neben dem abgerissenen Hause verbrannt. Dieses Urteil hat der Mörder mit Geduld und steter Anrufung des Namens Jesu, bis ihm das Herz aus dem Leibe gerissen worden, ausgestanden auf dem Wege, was ihm die Geistlichen vorgesagt, nachgesprochen und bei dem neunten Zangenriß ausgerufen: ‚Herr Jesu, erbarme dich meiner!‘ Als man ihm die Hände abgehauen hatte, so hat er die Stümpfe der Arme, wie auch die mit dem Rade zerstoßenen Beine aufgehoben und neben den empfangenen Zangenrissen fleißig betrachtet. Im Monat August desselben Jahres ist auf dem Ort, wo sein Haus gestanden, eine steinerne Säule aufgerichtet worden und die Taten davon in Reimen hineingegraben zu einem Beweis, Altes auszurotten und daß dieser Fleck nimmermehr von jemand bebaut werden soll.“

Kriminologen verwenden für diese Art von Tätern den Begriff Familienauslöscher. Dabei liegen die Motive oft in Verlustängsten begründet.

Michael Kirchschlager, Arnstadt

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