Dem Luchs auf der Spur – neue Themenwanderwege locken auf die Fährte der Wildkatze

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Heberndorf – Der Luchs ist zurück in unserer Region!

Dies beweisen nicht nur zahlreiche Aufnahmen von Wildkameras, auch geübte Fährtenleser haben längst eindeutige Spuren identifiziert. Nicht zuletzt verfestigen Berichte einiger Züchter, deren Vieh dem gewieften Jäger immer öfter als Beute dient, die Gewissheit, dass der Landstrich zwischen Frankenwald und Thüringer-Schiefergebirge längst wieder Luchsrevier ist.

Die Wiederansiedlung der lange ausgerotteten Tierart gelang in Deutschland durch Wiederansiedlungsprojekte und durch Zuwanderung aus Nachbarländern.

Der Heberndorfer Ortsbürgermeister Günter Oertel verbringt privat, aber auch in seiner Funktion als Vorstand der Forstbetriebsgemeinschaft Heberndorf, viel Zeit im Wald.
Über Jahrzehnte hat er sich dadurch einen entsprechend großen Wissensschatz angeeignet, der sich über sämtliche Baum- und Tierarten der Umgebung erstreckt. Der Luchs gehört ebenso dazu.

Günter Oertel möchte dieses Wissen gerne an seine Mitmenschen weitergeben und hat die Rückkehr des Luchs in die Region zum Anlass genommen, der eindrucksvollen Raubkatze mit den markanten Haarpinseln an den Ohren zwei eindrucksvolle Rundwanderwege zu widmen.

Foto: Kevin Wunder

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, mit dem Ideengeber auf Wandertour zu gehen und habe kurzentschlossen meinen naturbegeisterten Sohn Pepé und dessen nicht weniger versierten Opa Uwe auf die Begehung mitgenommen.

Der Startpunkt, etwa in der Heberndorfer Ortsmitte, ist unverkennbar.
Stolz wacht dort ein von Dirk Einsiedel aus Helmsgrün wunderschönes geschnitztes Luchs-Exemplar neben einer neuen Sitzgruppe.
Direkt daneben steht eine modern gestaltete Übersichtstafel, die die Wandergruppe mit den grundlegenden Informationen zu den beiden Luchssteigen versorgt.

Die beiden gut gekennzeichneten Luchssteige führen von diesem Punkt aus in Richtung Lehesten, vorbei am Heberndorfer Heimatmuseum, welches die Ortsgemeinschaft in der „Alten Dorfschmiede“ erschaffen hat. Natürlich hat Günter Oertel, als einer der Initiatoren, den Schlüssel dabei.

Er eröffnet seinen drei Begleitern, noch bevor die Wanderung richtig begonnen hat, einen ergreifenden Blick in die lange Vergangenheit des Ortes.
Schon beim Überschreiten der Türschwelle spürt man sofort, welch großes Herzblut von allen Beteiligten in dieses Projekt investiert wurde. Das alte Haus steckt vom Erdgeschoss bis zum Dachboden voller liebevoll inszenierter Gegenstände und Zeugnisse längst vergangener Tage.

Ein ähnliches Gemeinschaftsprojekt wie das Ortsmuseum seien die Luchssteige, wie Günter Oertel erklärt:

„In Heberndorf haben wir eine starke Dorfgemeinschaft durch alle Altersschichten. Man braucht heutzutage nur einen Aufruf in die örtliche Whats-App-Gruppe zu schreiben, schon hat man Helfer an seiner Seite.“

An diese Art der „Verabredung“ über die neuen Medien hätten sich mittlerweile auch die etwas älteren Dorfbewohner gewöhnt. Und so funktionierte es zum Beispiel auch, als es darum ging, die vom Naturpark Thüringer-Schiefergebirge / Saaletal gestifteten Ruhebänke, an den beiden Luchssteigen zu platzieren. Mitgeholfen habe bei der Installierung der beiden Wege erneut auch die Heberndorfer Leistenfabrik.

Die mit einem roten „L“ gekennzeichnete Tour ist die etwas kürzere und führt die Wanderer auf einem anfangs eben verlaufenden Weg aus dem Ort heraus. Entlang des Weges finden sich, neben den an signifikanten Punkten postierten Ruhebänken auch einige Hinweistafeln, auf denen sich sowohl ortsgeschichtliche Informationen, als auch nützliche Details zum Namensgeber, dem Luchs, finden.

„Dort drüben ist Schmiedebach, da kommt die Oma her“, weiß der achtjährige Pepè beim Blick über die nordwestlich zu sehenden Schieferhalden zu berichten.

Es sind nur wenige Höhenmeter, die auf dem etwa dreieinhalb Kilometer langen Rundweg zu überwinden sind, der sich unterhalb des Aussichtspunktes „Pfaffenbühl“ mit der circa fünf Kilometer langen „grünen“ Route vereinigt.
Dieser etwas längere Weg bietet hingegen tiefere Einblicke in das romantische, zwischen Heberndorf und Schmiedebach gelegene Tal entlang des Dorfbaches und biegt erst kurz vor der Weitisbergaer Mühle wieder rechts ab Richtung Ausgangspunkt.

Wie auf einem der Info-Schilder zu lesen ist, hat der Luchs ein ausgezeichnetes Hörvermögen und kann zum Beispiel eine Maus auf 50 Metern hören und aufspüren.
Wenn man sich also auf die Heberndorfer Luchssteige begibt, ist die Chance, ein Exemplar der Großkatzen zu Gesicht bekommen, entsprechend gering.
Dennoch gibt es auch ohne Begegnung mit dem Luchs genug Interessantes auf den familientauglichen Wegen zu entdecken.

Und wer weiß, Zufallssichtungen gibt es in unseren Wäldern ja bekanntlich doch hin und wieder.
Man denke dabei nur an die Begegnung mit einem Wolf, vor Kurzem ganz in der Nähe von Wurzbach.

von Kevin Wunder, Wurzbach


Unter der Bezeichnung „Mitmachricht“ veröffentlichen wir die uns zugesandten Beiträge. Die Inhalte spiegeln nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider, die Angaben erfolgen ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit.

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