23. April – Tag des deutschen Bieres

Facebook
Twitter
WhatsApp
Email
Telegram

Bierkenner Michael Kirchschlager schrieb ein „Kleines Thüringer Bierbuch“ (RhinoVerlag) zu dem Thema

Zweifellos schlug für die Thüringer Biergeschichte eine Sternstunde, als der Historiker Michael Kirchschlager im Februar 1998 auf der Runneburg in Weißensee das Weißenseer Reinheitsgebot aus dem Jahre 1434 entdeckte. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts mussten in den landgräflichen Weißenseer Wirtshäusern rauhe Zustände geherrscht haben, denn der Rat unter seinem Bürgermeister Hartwig Schemelraufe (nomen est omen!) erließ eine 30 Artikel umfassende Gaststättenverordnung – die statuta thabernae. Darin heißt es im Artikel 12 (Weißenseer Reinheitsgebot):

„Zu dreimal Brauen. Es soll auch niemand mehr brauen als dreimal in einem Jahr oder nach dem, wie die Räte und die Gemeinde eines jeglichen Jahres sich einig werden. Zu dem Bier brauen soll man nicht mehr nehmen als soviel Malz, als man zu den drei Gebräuen von dreizehn Maltern an ein Viertel Gerstenmalz braucht. Die Gebräue soll man tun zu welcher Zeit in dem Jahr man will oder man erkennt, daß es am zweckmäßigsten sei. Es sollen weder Harz noch irgendwelche anderen Ungefercke (gefährliche Giftstoffe) ins Bier. Dazu soll man nichts anderes geben als Hopfen, Malz und Wasser. Das verbietet man bei zwei Mark und derjenige, der dagegen verstößt, muß die Stadt für vier Wochen räumen.“

In diesem Artikel ist erstmals die Zusammensetzung des deutschen Bieres mit den Bestandteilen Hopfen, Malz und Wasser genannt. Dreizehn Maltern an ein Viertel Gerstenmalz regelt die Stammwürze (11,8 – 12,8 %, freundliche Mitteilung von Prof. Annemüller, Berlin). Heute wird in Weißensee wieder gebraut – in der Ratsbrauerei.

Doch die Thüringer regelten noch früher ihre Bierreinheit. In Weimar wird den Brauern 1348 vorgeschrieben, nur Malz und Hopfen für ihre Biere zu verwenden und 1351 wird den Erfurtern verboten, weder mit Reisig noch mit Stroh zu brauen. Ähnliches spielte sich auch in Bayern ab. Hier ließen die bayerischen Herzöge am Tag des Heiligen Georg, dem 23. April 1516, für das Bier nur Gerste, Hopfen und Wassser zu. Das Bayerische Reinheitsgebot, aus dem sich später das deutsche Reinheitsgebot entwickelte, war geboren. Gott, Thüringer Brauern und den Bayern sei Dank!

Aus diesem Grund begehen die Bierfreunde in Deutschland am Sankt Georgentag, dem Tag der Ritter, auch den Tag des deutschen Bieres. Dank des Reinheitsgebots gibt es heutigentags kein schlechtes Deutsches Bier und die Eurokraten wären gut beraten, dieses älteste deutsche Verbraucherschutzgesetz für ganz Euroland zu übernehmen.

Ihnen gefällt unsere Arbeit? Unterstützen Sie HalloOberland mit einer PayPal-Spende und tragen Sie so zur Meinungsvielfalt in unserer Region bei. Vielen Dank!

Veranstaltungen

Meistgelesen